Eine neue Heroen-Trilogie ist fertig. Drei Heldenepen fürs Musiktheater. Jedes von Walküren-Format, einem Einzelkämpfer des Geistes gewidmet. Männer, die gegen Verkrustungen des Denkens angingen, siegten und scheiterten.

Ein rechnender Bohemien, dessen Weltbild sich durchsetzt und den Supertod für alle möglich macht. „Einstein on the Beach“ (1976 in Avignon). Ein beharrlicher Asket befreit mit einer Idee Indien und fällt durch Mörderhand. „Satyagraha“ (1981 in Stuttgart).

Jetzt die Tragödie. Ein Rückblick aufs Neue Reich des alten Ägypten, auf Echnaton (und Nofretete, denn ganz ohne Liebe geht die Chose nicht). Hymne auf das leuchtende Interregnum des Ketzerkönigs Amenophis IV, der sich Echnaton nannte. Strahlendes Erscheinen und Sturz des Pharao Echnaton in drei Akten und vier Stunden. Musik: Philip Glass.

Das Programmheft enthält neben Assoziations-Schnickschnack der Dramaturgie auch Beiträge zum Anlaß, darunter Einzelheiten des Konzepts. Danach hatten Komponist und Ko-Autoren (Shalom Goldmann, Robert Israel, Richard Riddel und Jerome Robbins) offenbar eine „Oper“ im Sinn. Über- und beschaubare Handlung, übergreifende Ereignisstränge wie Staatsbegräbnis und Zeremonien am Anfang und Schluß, viel Chor, Tanz, Liebesszenen, Kampf und Gemetzel. Gesangstexte original aus alten ägyptischen Quellen. Ein Sprecher, der Verständnishilfe in der Landessprache gibt. Ein Orchester ohne Geigen und Fagotte. Holz und Blech zweifach besetzt, Tuba, Pauke, etwas Schlagzeug, Celesta und Synthesizer. Nichts Aufregendes also.

Es wurde aufregend. Die Inszenierung von Achim Freyer übertrumpfte die Vorlage. Sie brachte ziemlich freie Imaginationen auf die Bühne, bewundernswerte, grandiose Bilder von Achim und Ilona Freyer.

Etüdenhaftes aus dem Orchestergraben zu Beginn. Betonungswechsel im Stile von „In the mood“. Skriabinsche Lichtlimonade, Giftfarbenflecke auf den Vorhang gestrahlt. Dahinter riesig eine Stele auf leerer Bühne. Oben, schwer erkennbar, eine Gestalt mit Helm wie ein Poilu des Ersten Weltkriegs. Ein Ägypter umkreist den Pfahl. Er rennt am Bändel der Macht. Das Bändel ist ein breites Band, wie kostbare Seide schimmernd, in orientalischer Farbenpracht. Der Mann wickelt es, laufend, um seinen Körper, bis es ihn fast erdrückt. Da stürzt der Poilu scheppernd herab, ein hohler Popanz. Pharao ist tot. Für den ersten Akt hatte Freyer einen vielleicht genialen Einfall. Er zeigt eine Kaaba, einen großen unregelmäßigen Würfel. Im Innern, die Holographie im Laserlicht aufglimmend, erblickt man Szenen von Staatsbegräbnis und Inthronisation des Nachfolgers. Ein düsterer Kondukt bringt den toten Pharao zum Würfel, wo ihn ein ähnlicher Trauerzug in die Tiefe fortbringt, zur Unterwelt.

Feuerwerk in der Kaaba zeigt die Krönungsfeiern an, später tritt dort der junge Pharao glanzvoll vors Volk.