Die Friedensbewegung der DDR will zu Ostern Flagge zeigen – an erinnerungsträchtiger Stätte.

In der DDR kursiert ein Flugblatt: Eine "Initiative Ostern ’84" ruft dazu auf, am Ostersonntag um 15 Uhr am Glockenturm des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald der Opfer des Faschismus zu gedenken. Der Ort ist mit Bedacht gewählt. Unter dem Glockenturm gelobten im Frühjahr 1945 befreite Häftlinge Angehöriger aller von Hitler Überfallenen Nationen; ihr weiteres Leben dem einträchtigen Kampf für den Frieden zu widmen. Die DDR-Behörden halten die Erinnerung daran bis heute hoch.

Die neue Initiative sammelt die Reste der – wie sie sich selbst nennt – "Eigenständigen Friedensbewegung", das heißt der vom Staat unabhängigen Friedensgruppen in der DDR. Große Teile dieser Friedensbewegung haben seit dem letzten Sommer die DDR mehr oder weniger freiwillig verlassen. Die Mitglieder der "Initiative Ostern ’84" sind ausnahmslos DDR-Bürger, die keinen Ausreiseantrag gestellt haben.

In dem Aufruf, der jetzt über die Friedenskoordinations-Kreise in der DDR verbreitet wird, heißt es, man wolle nicht mit Plakaten, sondern mit Blumen die Opfer des Faschismus ehren. Damit könne zugleich zum Ausdruck gebracht werden, "daß das Ringen gegen jegliche Kriegsvorbereitung trotz der begonnenen Stationierung von Atomraketen in beiden deutschen Staaten noch lebensnotweniger geworden ist". Das Vorhaben ist nicht bei den Behörden angemeldet worden, weil, wie es heißt, die Anmeldung einer so selbstverständlichen Ehrung der Opfer des Faschismus "geradezu geschmacklos wäre".

In einem zweiten Aufruf laden die Initiatoren auch die Mitglieder der westdeutschen Friedensbwegung zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung ein. Auf diese Weise solle die besondere Verantwortung des deutschen Volkes zum Ausdruck gebracht werden. "Von deutschem Boden darf nie eine Rakete ein anderes Land angreifen. Verweigern wir uns der Verführung durch Feindbilder", heißt es in dem Aufruf.

Die Initiatoren hoffen, daß die DDR-Behörden diese Veranstaltung ungestört ablaufen lassen. Sie sind aber auch auf Verhaftungen und Ausweisungen ebenso gefaßt, wie auf die Möglichkeit, daß offizielle Organisationen wie die Freie Deutsche Jugend die Gedenkfeier für ihre Zwecke umfunktionieren.

Joachim Nawrocki (Berlin)