In Afghanistan haben sowjetische Truppen mit ihrer Frühjahrsoffensive begonnen. Westliche Geheimdienste sprechen von der größten Militäroperation seit dem Einmarsch der Roten Armee vor mehr als vier Jahren.

Radio Kabul meldete Vollzug: Sowjetische Einheiten und afghanische Regierungstruppen hätten das strategisch wichtige Pandschir-Tal nordwestlich der Hauptstadt erobert und die dort verschanzten Rebellen vertrieben. "Wir geben dem Volk bekannt, daß keine feindlichen Banden mehr im Pandschir-Tal sind", triumphierte der Regierungssender.

Trifft der Bericht zu, dann ist der Besatzungsmacht ein entscheidender Sieg über die Mudschahedin gelungen. Sechsmal hatten die Invasionstruppen schon vergeblich versucht, das Pandschir-Tal einzunehmen. Doch die Widerstandskämpfer um den 30jährigen Ahmed Schah Massoud, den "Löwen von Pandschir", konnten sich noch jedesmal behaupten. Ein Guerillaführer widersprach auch diesmal prompt den Siegesmeldungen der Regierung: "Das ist russische Propaganda.

20 000 Soldaten hatten die Sowjets für die neue Offensive zusammengezogen. Massiv wie nie zuvor griffen TU-16 und SU-25-Bomber in die Kämpfe ein. Das amerikanische Außenministerium verurteilte die Flächenbombardements als "Eskalation der zerstörerischen und brutalen Taktik" in der Kriegsführung gegen die afghanische Zivilbevölkerung.

In Paris erklärte Burhanuddin Rabbani, Führer der Exilpartei Jamiat-e-Islami, daß sich seit dem Amtsantritt Konstantin Tschernjenkos die sowjetische Kriegsführung in Afghanistan geändert habe.

Der neue Parteichef befürworte massives militärisches Vorgehen; sein Vorgänger Andropow habe auf die Infiltration der Rebellengruppen gesetzt. Die sowjetischen Truppen seien in jüngster Zeit um mehr als 80 000 auf nunmehr nahe 200 000 Mann verstärkt worden. Moskau hat inzwischen dem Regime von Präsident Babrak Karmal in einer Grußbotschaft weitere "internationalistische Hilfe" in Aussicht gestellt. M. N.