Von der Blutwäsche zur Operation – ein Leidensweg

Es war nicht das erste Mal "Für Ihren Mann ist eine Niere eingetroffen", diese Worte hatte ich schon einmal gehört. Damals vor fünf Jahren, als uns das Telephon aus tiefstem Schlaf nochschreckte, hatte die Stimme der Ärztin uns eine Erlösung verkündet. Nie in meinem Leben habe ich so genau gewußt, was Hoffnung bedeutet. Wir waren uns ganz sicher: Jetzt ist es geschafft, eine Nierentransplantation wird ihn unabhängig von der Maschine und so gut wie gesund machen.

Die Organverpflanzung selbst verlief erfolgreich, doch schon in der Nacht zeichneten sich Komplikationen ab. Ein Hämatom verursachte entsetzliche Schmerzen und machte bereits nach zwei Tagen eine weitere riskante Operation erforderlich. Wir waren 25 Jahre alt und hatten trotz der langen Krankheit den Gedanken ans Sterben bisher weit von uns gewiesen. Zwei Stunden lang schüttelte mich die Verzweiflung – ich irrte durch die Straßen, weil die Schwestern mich gebeten hatten, nicht im Krankenhaus zu warten.

Als ich zurückkehrte, wurde mein Mann nach ein paar Minuten aus dem OP geschoben. Tiefer als alle anderen Gefühlsregungen war die Bewunderung, die ich für den Lebenswillen meines Mannes empfand.

Er erholte sich nur langsam, aber wir hatten viel Geduld. Die Niere arbeitete, und die Hoffnung auf ein "normales" Leben machte die Zeit vollkommen unwichtig. Jeder Tag ohne Dialyse war ein Geschenk, das mein Mann unendlich dankbar annahm. Pläne für eine Zukunft mit einem leistungsfähigen Körper erwachten, nichts schien mehr zu schwer.

Doch dann kam der 5. Mai 1980. Die wöchentliche Überprüfung der Blutwerte hatte eine Unregelmäßigkeit signalisiert. Hans-Dieter mußte sofort in die Klinik und wurde erst Mitte September entlassen – ohne Niere und bereits seit zwei Monaten wieder Dialysepatient. Ein Sommer, der mit endlosem Warten verging. Kann die Niere gerettet werden oder nicht? Fast täglich mußte mein Mann eine Untersuchung über sich ergehen lassen, für den Rest des Tages blieb dann wieder nur die Anspannung. Die Niere sollte beobachtet werden, eine klare Diagnose war den Ärzten beim damaligen Wissensstand nicht möglich. Dann, nach zwei Monaten eintöniger und gerade deshalb so nervenaufreibender Tage, zeichnete sich endlich ein Befund ab. Eine weitere, aufwendige Operation sollte eine einwandfreie Nierentätigkeit wiederherstellen, doch der Mißerfolg lag schon nach ein paar Tagen auf der Hand.

Ein Gefühl der Ohnmacht