Kaum zweieinhalb Millionen Katholiken, weniger als in Rom, leben in den vier Ländern, die Johannes Paul n. auf einer Flugreise von 38 000 Kilometern, seiner zweiten nach Asien, zehn Tage lang besucht.

Nach einer Zwischenlandung in Alaska, wo sich der Wahlkämpfer Ronald Reagan eine Begegnung mit dem Papst nicht entgehen lassen will, ist Südkorea die erste Station der Reise – das einzige Land der Welt, in dem die Römische Kirche einen jährlichen Zuwachs an Gläubigen von zehn Prozent verzeichnen kann (allein 1982 ließen sich dort 108 000 erwachsene Menschen katholisch taufen), während sie im kommunistischen Norden praktisch nur noch im Untergrund existieren kann: Die letzte Nachricht, daß es dort noch Christen gebe, habe er von österreichischen Ingenieuren, die in Nordkorea Kindern mit christlichen Vornamen begegneten, sagt Kardinal Kim von Seoul.

Der Kardinal erhofft sich vom Papst-Besuch Versöhnungszeichen, aber auch Trost für den koreanischen Süden, dessen Zukunft "ungewiß, von Pessimismus verschleiert" sei. Warum? "Weil sich in unserem Land die Interessen der Supermächte kreuzen," sagt Kardinal Kim. Daß der Papst die Folgen der Teilung Koreas mildern könnte, wagt niemand zu hoffen. Johannes Paul II. liegt vor allem daran, die Gläubigen gegen einen Materialismus immun zu machen, den der Industrialisierungs- und Konsum-Boom des Landes fördert.

In Papua-Neuguinea, der einstigen deutschen Kolonie "Kaiser-Wilhelm-Land", ist ein Drittel der Drei-Millionen-Bevölkerung katholisch. Für sie wird der Papst sogar auf Pidgin-English predigen, einer Sprache, die er seit Wochen fleißig gelernt hat und die ihm auch bei einem eineinhalbtausend Kilometer weiten Ausflug auf die Salomon-Inseln nützen wird.

In Thailand, der nächsten Etappe der Reise, erwarten den Papst zwar nur 200 000 Katholiken unter den 48 Millionen Einwohnern, doch das Hauptereignis wird dort am 11. Mai der Besuch in einem der zehn Lager für Indochina-Flüchtlinge sein. Auch hier wird der Papst Balancekünste aufwenden, müssen, damit seine Friedenssignale, die nicht zuletzt dem argwöhnisch zuschauenden China gelten, nicht mißverstanden werden.

Hansjakob Stehle (Rom)