Von Ferdinand Ranft

Begonnen hatte alles mit einem Orgelkonzert im Ratzeburger Dom, genauer gesagt, mit der Fahrt dorthin. Mein Sinn stand nach Musik, beileibe nicht nach Wasser. Ich fuhr bei Bad Oldesloe von der Autobahn auf die Bundesstraße 206 nach Ratzeburg. Zehn Kilometer vor dem Ziel, bei Berkenthin, war er wieder da: mein Traum von einem Idyll, urplötzlich wieder aufgetaucht in einem einzigen Bild, das sich mir bei der Überfahrt über eine alte Brücke bot. Die Brücke führte über den Elbe-Lübeck-Kanal, eine jahrhundertealte Wasserstraße. Irgendein Boot schipperte gerade auf ihm entlang, ein paar Kähne lagen am Ufer, vielleicht angelte da auch jemand – der Kanal war nicht geschleckt, er wirkte verträumt, ein wenig verwahrlost, ich dachte an Grachten, Ziehbrücken und Schleusen. Das mußte es sein: die Landschaft vom Wasser aus zu erfahren, ganz in der Nähe der Großstadt und doch unendlich weit von ihr entfernt.

Die Yacht-Charter-Firma hat ihre Boote in Hamburg am Billwerder Deich liegen. Selbst die meisten Hamburger werden nicht wissen, wo das ist. Es ist ein zauberhaftes Stück Hamburg, ländlich, ganz entrückt. Die Dove-Elbe schlängelt sich hier durch das flache Land, an ihren Ufern und in kleinen und größeren Ausbuchtungen liegen Boote, Boote, Boote. Sind es tausend, oder mehr?

Die "Mascot 25" ist eine recht komfortable Motoryacht. Sie ist fast acht Meter lang, 2,75 Meter breit, hat einen Tiefgang von 1,15 Metern und verdrängt immerhin 2,6 Tonnen. Ein Rennboot ist

  • Fortsetzung auf Seite 51
  • Fortsetzung von Seite 49

sie freilich nicht, aber im Elbe-Lübeck-Kanal beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ohnehin nur zehn Stundenkilometer. Die "Mascot" macht etwa sechs bis sieben Knoten, sie bietet bis zu fünf Personen Platz. Drei können im Salon vor dem Steuerhaus schlafen, zwei in der großen Achterkajüte. Es gibt eine Kombüse mit Herd und Spüle und Kühlschrank, einen Hundertliter-Wassertank mit Druckwassersystem, einen separaten Waschraum mit WC, im Salon kann man stehen, das Steuerhaus ist verglast – eine Menge Komfort auf den paar Metern.

Ein Bootsführerschein ist für die "Mascot" nicht erforderlich; sie hat einen auf 5 PS gedrosselten Diesel, der ist gerade noch führerscheinfrei. Der Yachtcharterer verlangt indessen eine gewisse Bootserfahrung, denn Elbe und Kanäle sind – wie sich bald herausstellen sollte – nicht ohne Tücken. Die Bedienung des Bootes ist kein Kunststück: Kupplung auf Leerlauf, Zündschlüssel herumgedreht, eingekuppelt und dann den Gashebel langsam auf Rückwärtsfahrt. Natürlich hatten wir vorher die Leinen losgemacht, die Fender eingeholt und uns mit dem Bootshaken von den beiden achterlichen Pollern freigehalten. Aus diesem Arbeitsprogramm ergibt sich bereits, daß man mindestens zu zweit an Bord sein sollte, nicht zuletzt auch wegen der Schleusen, die es zu passieren gilt.