Von Gerhard Sport

In der Politik, wo alles zum Lichte drängt, gehört er zu den Schattenexistenzen. Peter Radunski, der CDU-Bundesgeschäftsführer, ist allerdings zu sehr von seiner eigenen Bedeutung. überzeugt, um darüber verdrießlich zu sein. So ist nun einmal die Arbeit verteilt: Die einen wuseln vorn an der Rampe; die andern aber haben ihnen vorher die Stichworte geliefert und sich sorgfaltig präpariert. Je nach Standpunkt läßt sich darüber urteilen, wer wichtiger ist, der sich dem Publikum präsentierende Politiker oder der Techniker der Macht im Hintergrund.

Wenn sich der Vorhang hebt, wie nächste Woche beim Stuttgarter CDU-Parteitag, dann tritt Radunski regelmäßig in die Kulisse. Er wird auch nicht zum Schlußapplaus nach vorne geholt. Denn zwischen Praktikern und Technikern der Macht besteht ein latentes Spannungsverhältnis: Helmut Kohl und seine prominenten Mitspieler glauben fest daran, daß sie allemal im kleinen Finger haben, worüber Radunski sich den Kopf zerbricht, Planspiele anstellt und ellenlange Papiere verfaßt. Der beansprucht aber, und die Umstände geben ihm recht, mehr zu sein als ein Kofferträger. Er ist auch der Regisseur, der Parteitage, Wamkämpfe und Fernsehauftritte gefällig inszeniert, weil er weiß: Nicht allein das Ergebnis zählt, sondern auch das Bild, das draußen im Lande davon entsteht.

In Stuttgart wird eitel Sonnenschein herrschen. Das Adenauer-Haus, in dessen zehntem Stock Radunski seine Blicke je nach Wahl über Brachland, über den Rhein oder das Regierungsviertel schweifen lassen kann, hat zum allgemeinen Wohlgefallen der Union lebhaft beigetragen: zum durch und durch professionellen März-Wahlkampf 1983; zur leidlich durchgekämpften, glücklich durchgestandenen Nachrüstungsdebatte. Derzeit besteht kein Grund zur Klage. Die großen Reizthemen sind weg, der Aufschwung ist da. Helmut Kohl waltet unverkrampft und, wie er grimmig wissen läßt, mit unvergällter Lebensfreude seines Amtes. Zwar mag gezetert und gemäkelt werden, aber niemand kann die Regierung umreißen. Es ist so, wie es sein soll.