Leopold II., belgischer König, hat sich und der Nachwelt das schönste und größte Glashaus der Belle Epoque errichten lassen: Es steht in den Gärten rund um die Sommerresidenz Schloß Laeken bei Brüssel. Leopold war es, der diese Gärten erweiterte. Er war von der Natur derart begeistert, daß er sie so anlegen ließ, daß sie vom Frühjahr bis Spätherbst in Blüte stehen. Die Farben wandeln sich dabei vom Hellen zum Dunklen. Der König, der 25 Jahre an seinen Gartenanlagen und Gewächshäusern bauen ließ, bestellte die Pflanzen nach Katalog und investierte eine Unsumme in exotische Arten. Täglich überwachte er die Arbeit an den 36 Gewächshäusern, die zusammen eine gläserne Stadt bilden. Ein 700 Meter langer Weg verbindet die Häuser, ein Gang unter Glas und durch Tunnel von Blumen, Hunderttausende von Blüten. Da gibt es die Orangerie, das Kamelien- und das Speisesaal-Gewächshaus. –

Ein zusammenhängender Innenraum von knapp zwei Kilometern Länge – zwei Hektar Fläche unter vier Hektar Glas: Eine Welt aus Duft, Farben und Licht bestimmt die Atmosphäre des schönsten botanischen Gartens der Welt, der nur Anfang Mai für die Öffentlichkeit freigegeben ist.

Höhepunkt der gläsernen Stadt ist der 1876 erbaute Wintergarten, erdacht von Alphonse Balat, dem Vater des belgischen Jugendstils: 57 Meter im Durchmesser und 25 Meter hoch ist die Rotundenkuppel, die auf 36 dorischen Säulen ruht Hier blühen Zwergbananen und Dattelpalmen, Paradiesvogelblumen und Trompetenzungen. Leopold II. lebte hier während seiner letzten Jahre in aller Einsamkeit. Im Palmenpavillon starb er am 17. Dezember 1909 nach einer Operation. Siggi Weidemann

Die Treibhäuser von Schloß Laeken sind zu besichtigen am 5., 6., 9., 12., 13., 16., 19. und 20. Mai zwischen 14 und 17 Uhr. Am Freitag und Samstag, dem 4. und 5., 11. und 12., 18. und 19. Mai, sind die Häuser zwischen 21.30 und 23 Uhr beleuchtet