Herverragend

Rainer Brüninghaus, Markus Stockhausen, Fredy Studer: ,,Continoum"

Man wird gleich in diesen eigenartigen, weiten, bis in die Textur des Synthesizer-Hintergrundes klaren Klang-Raum gezogen – ich kenne wenige Aufnahmen, in denen die Technik so erfinderisch ausgekostet wird und so identisch mit der musikalischen Idee ist wie auf dieser Schallplatte. Ihre Helden sind drei billante, miteinander denkende und empfindende Musiker: Brüninghaus (der Komponist dieser oft ungewöhnlichen Themen) an Klavier und Synthesizer, Stockhausen auf Trompete und Flügelhorn, Studer am Schlagzeug. Die Themen sind kraftvoll ausgeprägt, sie haben Spannung und sind dabei von großer Poesie; sie sind originell rhythmisiert, sie fließen beschwingt oder selbstvergessen oder nervös-versponnen, die Instrumente leuchten und schimmern so, daß man meint, es zu sehen. Schwer zu sagen, was davon komponiert, was improvisiert ist, und ebenso schwierig ist es, diese moderne Kammermusik zu rubrizieren. Eine von ECM beigesteuerte Anmerkung deutet die Mischung ziemlich treffend so an: Jazzmusik, zeitgenössische (unter anderem Minimal-)Musik sowie Elemente der europäischen Musiktradition. Es ist jedenfalls eine an Stimmungen reiche, sehr atmosphärische Musik. (EDM 1266)

Manfred Sack

Hörenswert

Joe Jackson: "Body and Soul" ist ein Album, mit dem der anfangs als Elvis Costello-Epigone geschmähte J. J. konsequent und noch ambitionierter fortführt, was er mit "Night and Day" begann. Die neuentdeckte Liebe zum Jazz der vierziger und fünfziger Jahre war offenbar doch kein vorübergehender Furt. Beim ehrgeizigsten Stück der Platte, dem instrumentalen Loisaida, übernimmt sich Jackson doch ein wenig, während die Balladen (Not Here Not Now und Be My Number Two) seine Wandlung vom scharfsichtigen Zyniker zum eingestandenen Romantiker belegen. Nur fällt bei allen kompositorischen Qualitäten in diesem Kontext halt doch auf, daß und warum Joe Jackson wohl doch nie in den Olymp der wirklich großen Rock-Vokalisten einziehen wird: Wo Flexibilität, dynamische Nuancen, dramatische Gestaltung und die berüchtigten Spitzentöne vom Material her (etwa in The Verdict) verlangt werden, muß Jackson seine Stimme schlicht überanstrengen. Und wieso der Meister diesmal den Abdruck der Songtexte für überflüssig befand, bleibt sein Geheimnis. (A & M AMLX 65 000) Franz Schöler