Wer das Schicksal der Frankfurter Hobrecker-Sammlung nachvollzieht, begibt sich in ein Labyrinth. Der passionierte Kinderbuchsammler Karl Hobrecker (1876-1949) suchte notgedrungen eine Institution, die seine etwa 12 000 Kinderbücher aus fünf Jahrhunderten übernehmen konnte. Er fand sie in der 1933 von den Nationalsozialisten gegründeten Reichsjugendbücherei, deren Kurator er wurde.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Suche nach den ausgelagerten und dann verschollenen Schätzen begann, gab es nach Hobreckers Tod zwei Entdeckungen: Der größte Teil der ausgelagerten Bestände wurde in der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Braunschweig gefunden. Doch etwa 450 Bände waren im Besitz der Familie Hobrecker verblieben. Die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt kaufte sie vor kurzem von dem Neffen Hobreckers und stellte sie ab Dauerleihgabe dem Institut für Jugendbuchforschung der Universität Frankfurt zur Verfügung. Diese vorbildliche Zusammenarbeit zum Wohle von Wissenschaft und Forschung setzte sich in der Dokumentation der Sammlung fort.

Vera Haase und Helmut Müller haben die Bibliographie mit Sachkenntnis und Sorgfalt zusammengestellt. In alphabetischer Reihenfolge werden die 378 Bücher der Sammlung mit abgebildeten Titelblättern, sämtlichen bibliographischen Angaben und weiteren Einzelheiten vorgestellt. Ohne Abbildungen sind die sechsundzwanzig Spiele aufgeführt. Das Register bietet Auskunft über Autoren, Bearbeiter, Herausgeber und Übersetzer.

Ideen von Kindheit, pädagogische Programme, Ideologien und Namen manifestieren sich in der Sammlung und ihrer Bibliographie. Sie warten auf wissenschaftliche Auswertung – aber auch auf vergnügliche Betrachtung.

„Die Frankfurter Hobrecker-sammlung“. Kommentierte Bibliographie einer Sammlung alter Kinder- und Jugendbücher, herausgegeben von der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a. M. und dem Institut für Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt; Verlag Renate Raecke, Pinneberg; 121 S., 42,– DM.

Birgit Dankert