Ein Unternehmen in Norddeutschland bietet jetzt leihweise "Haushüter". Sie bewachen Hand and Nerz oder Katz und Kassenschrank, wenn die Hausherren zum Urlaub ausfliegen.

Was machen die armen Leute in der Gegend von Hamburg, Kiel und Lübeck, die zwar ein teures Haus mit wertvollem Inhalt besitzen, sich aber kein Personal leisten können, das das Haus bewacht, wenn sie auf Reisen sind? Ihnen kann geholfen werden, ein Anruf genügt: 0 48 63/80 90. Dann kommt Hermann Voss, Inhaber zweier Drogerien und einer "Homesitter-Agentur" in St. Peter-Ording, angereist, schaut sich Haus und Eigentümer an, überlegt, wer von seinen 30 Mitarbeitern am besten in das Haus paßt und möglichst in der Nähe wohnt. Dann macht er sein Angebot.

Kurz bevor die Kunden in den Urlaub fahren, kommt er ein zweites Mal, stellt den Mitarbeiter vor, beseitigt den letzten Rest von Mißtrauen und sorgt für reibungslose Übergabe des Haushalts. Dann wohnt der "Homesitter", zu deutsch Haushüter, für 275 Mark die Woche in dem Haus, und gegen eine zusätzliche Gebühr versorgt er auch noch die Katze, den Rasen und die Blumenbeete.

Homesitter haben, trotz der Wortverwandtschaft, mit Babysittern nur wenig gemeinsam. Es sind meist ältere Herren, aufgeschlossene, verantwortungsbewußte Frührentner mit Sinn für Häuslichkeit und Umgangsformen und vor allem mit einem makellosen Führungszeugnis. Außerdem wird etwas handwerkliches Geschick zum Beheben von Pannen im Haushalt und energisches Auftreten zum Abwimmeln von Hausierern erwünscht. Und natürlich Geistesgegenwart für den Alarmfall. Aber keine Bewaffnung. Das Schießen bleibt der Polizei überlassen.

Argwohn ist das größte Hindernis. Aber die Angst vor Einbrechern und das Mißtrauen gegen Alarmanlagen sind meist stärker als die Scheu davor, das eigene Haus fremden Menschen zu überlassen. Und so sind viele Homesitter-Kunden froh, daß es überhaupt Leute gibt, die bereit sind, ihr Haus zu hüten.

Hermann Voss hat die Idee aus England übernommen. Zunächst, nach einem Jahr Anlaufzeit, ist das Angebot noch größer als die Nachfrage. Von den vielen Kandidaten, die sich auf die Inserate hin meldeten, befand Voss nur jeden zehnten für zuverlässig genug. Die Haushüterei ist eher Hobby als Gelderwerb.

Man sittet aus Spaß an der Sache und um andere Leute und andere Lebensweisen kennenzulernen. Zur Voss-Mannschaft gehören auch Frauen, und mancher Mann, dem vier Wochen Haushüten zu langweilig werden, läßt die Ehefrau nachkommen; sofern der Kunde nichts dagegen hat, versteht sich. Wenn daheimbleibende Kinder zu betreuen sind, werden Ehepaare geradezu verlangt.