DIE ZEIT

Woher die Soldaten nehmen?

Zu den Lebensregeln der Bundeswehr gehört von ihrer Geburtsstunde an die immer wiederkehrende banale Erkenntnis: Unsere Leistungskraft ist begrenzt, die Streitkräfte müssen sich nach der Decke strecken.

Werben mit Sterben?

Es geschieht jeden Tag. Einem todkranken, von unsäglichen Schmerzen gequälten Klinikpatienten wird der Rest des Sterbens erlassen.

Macht und Moral

Die Amerikaner beklagen sich zuweilen darüber, daß die Westeuropäer sie allzu gern mit den Sowjets in einen Topf werfen und am liebsten auf gleichen Abstand zu Washington wie zu Moskau gingen – auf "Äquidistanz".

Zeitspiegel

Alleine Zynismus schien zu helfen. "Wer im Libanon eine Friedensbewegung ins Leben rufen will", so lautete bisher die Regel, "der braucht eine Miliz, um sie zu schützen.

Worte der Woche

"Alter, Gesundheitszustand und Länge der Haftdauer gebieten endlich einen Akt der Menschlichkeit, dessen sich niemand, auch die sowjetische Regierung nicht zu schämen hätte.

Parteien-Finanzierung: Anfechtung

Drei Monate lang haben die Grünen zugewartet, ehe sie jetzt mit einer Verfassungsklage in Karlsruhe den Pfründen-Coup der großen Selbstbedienungs-Koalition aus CDU/CSU, SPD und FDP anfochten: Das Bundesverfassungsgericht soll die Neuregelung von Parteispenden und staatlicher Parteifinanzierung vom Dezember vorigen Jahres als verfassungwidrig aufheben.

Berlin: Neue Lektion für die Inselstadt

Die Frauenvereinigung der CDU regt an, in Berlin eine ständige Ost-West-Umweltkonferenz einzurichten. Ein vorzüglicher Vorschlag; denn Dreck ist Dreck, ganz gleich, ob sozialistisch oder kapitalistisch produziert; er kennt keine Grenzen und muß gemeinsam beseitigt werden.

Nachtfrost vor der Kälte

Entgegen wahrheitswidriger Behauptungen westlicher Medien wurde der DDR-Bürger Wolf Quaßdorf, von Beruf Baumaschinist, am 18.

Umweltschutz: Liberales Palaver

Manche Ideen überzeugen mehr durch ihre Langlebigkeit als ihren Gehalt. Den Umweltschutz im Grundgesetz zu verankern, wie es jetzt Hans Engelhardt, FDP-Bundesminister der Justiz, fordert, erwog schon sein Parteivorsitzender und damaliger Innenminister Hans-Dietrich Genscher Anfang der siebziger Jahre.

Jubiläum in New York: Die New School wird fünfzig Jahre alt: Zuflucht für Dissidenten

Verfolgung, Widerstand, Gefängnis, Exil: das sind die Merkmale unseres Jahrhunderts. Daran wurde man in der vergangenen Woche erinnert, als die New School for Social Research – die man die Universität im Exil genannt hat – in New York ihren fünfzigsten Geburtstag mit der Verleihung des Ehrendoktors an heutige Dissidenten feierte: an Lew Kopelew, den sowjetischen Schriftsteller, und an Adam Michnik, den polnischen Historiker und Berater von "Solidarität", der sich seit 22 Monaten im Warschauer Gefängnis befindet.

US-Wahlkampf: Ein Prediger der Träume

Meinem Nachbarn schien es die Sprache zu verschlagen. Fassungslos sah er mich an; auf seiner schokoladenfarbenen Stirn zuckte es bedrohlich.

Jahrestag der Invasion: Nur für Sieger

Am 6. Juni jährt sich zum vierzigsten Mal der "längste Tag", an dem die alliierten Truppen über den Ärmel-Kanal setzten und an den Stränden der Normandie den Kampf um die Befreiung Frankreichs aufnahmen.

Kennedy-Clan: Wie ein Fluch

Ein Fluch, so scheint es fast, lastet auf dem Hause Kennedy. Im November 1963 wurde in Dallas Präsident John F. Kennedy erschossen; fünf Jahre später starb in San Francisco dessen Bruder, der Justizminister Robert Kennedy, unter den Kugeln eines Mörders.

Wolfgang Ebert: Festung Bonn

Adjutant: "Nichts. Erfahrungsgemäß ist dann seine Explosionsgefahr am größten. Vielleicht ist er noch in Indonesien. Als Fernrakete ist seine Treffsicherheit normalerweise vermindert.

Abfuhr für Reagan: Lob der Frau

Visionen sind in der Politik nur so viel wert wie ihre Überzeugungs- und Begeisterungskraft. Ronald Reagan tut sich mit seiner Vision vom Krieg der Sterne – von Hunderten von Weltraumstationen, die mit Laserstrahlen feindliche Raketen schon im Anflug vernichten könnten – nicht nur wegen der wachsenden Zweifel der Fachleute und der Skepsis der Verbündeten schwer.

Mißtrauen und Mißgriffe

Indira Gandhi gab sich verärgert: "Irgendwie scheinen wir nicht mehr auf der Landkarte der Amerikaner zu sein", sagte sie vor drei Wochen im Gespräch mit der ZEIT.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Gegen das Braunkohlekraftwerk Buschhaus bei Helmstedt, das jetzt ohne Entschwefelungsanlage in Betrieb gehen soll, demonstrierten am Wochenende mehrere tausend Umweltschützer.

Israel: Gegen den Terror der Ultras

Unter sieben Autobussen eines arabischen Busunternehmens in Ost-Jerusalem hatten Polizisten Bomben entdeckt und entschärft. Ein Blutbad konnte offensichtlich nur verhindert werden, weil die Polizei rechtzeitig informiert wurde.

Afghanistan: Russische Großoffensive

In Afghanistan haben sowjetische Truppen mit ihrer Frühjahrsoffensive begonnen. Westliche Geheimdienste sprechen von der größten Militäroperation seit dem Einmarsch der Roten Armee vor mehr als vier Jahren.

Asien: Trost vom Papst

Nach einer Zwischenlandung in Alaska, wo sich der Wahlkämpfer Ronald Reagan eine Begegnung mit dem Papst nicht entgehen lassen will, ist Südkorea die erste Station der Reise – das einzige Land der Welt, in dem die Römische Kirche einen jährlichen Zuwachs an Gläubigen von zehn Prozent verzeichnen kann (allein 1982 ließen sich dort 108 000 erwachsene Menschen katholisch taufen), während sie im kommunistischen Norden praktisch nur noch im Untergrund existieren kann: Die letzte Nachricht, daß es dort noch Christen gebe, habe er von österreichischen Ingenieuren, die in Nordkorea Kindern mit christlichen Vornamen begegneten, sagt Kardinal Kim von Seoul.

Pässe vom Papst?

Werter Herr Papst! Ich ging nach Italien, um von hier aus nach Amerika fahren zu können, wurde aber in Ancona verhaftetet ..

Ein Brief an Bischof Hudal

Den Großteil dieses Jahres hielt ich mich in Norditalien auf. Zwischendurch war ich zweimal in Deutschland, wobei ich jedesmal Kopf und Kragen riskierte.

Umzug ins Nichts: Kein Asyl und keinen Pfennig

Früher einmal wurden Flüchtlinge aus dem Ostblock in der Bunndesrepublik als gern gesehene Einwanderer begrüßt. Das war die Zeit der heißen Konjunktur und des Kalten Krieges, als jede Arbeitskraft gebraucht wurde und jeder Flüchtling aus dem Osten einen willkommenen Beweis für die Unnvollkommenheit des kommunistischen Regimes darstellte.

Wenn die Gewerbeaufsicht schläft...: Gestank bei Nacht

Wer nachts einmal über die Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth gefahren ist, weiß, wovon die Leute sprechen. "Ich wohne in einem Hochhaus", erzählt eine ältere Frau, "und wenn ich nachts das Fenster aufhabe, dann wache ich manchmal auf von dem Gestank.

Kinderlandverschickung: Der Zug der Kinder

Drei Erziehungskreise unterschied Erika Mann in ihrem Porträt der NS-Kindheit, das sie 1938 in der Emigration schrieb: Die altmodische Familie, deren Einfluß die Machthaber beschnitten, wo sie konnten; die Schule, bei der man auch nie ganz sicher war, daß nicht irg endwelche liberalen Lehrer den Kindern humane Flausen in den Kopf setzten; schließlich die Hitlerjugend, die allein linientreue Gesinnung garantierte.

Kolonialismus: Mythos Deutsch-Südwest

Im August werden es hundert Jahre her sein, seit an der südwestafrikanischen Küste die deutsche Flagge gehißt wurde. Damit begannen drei Jahrzehnte deutscher Kolonialherrschaft, die 1915 durch die immer noch andauernde Herrschaft Südafrikas abgelöst wurde.

Imperialismus: Herrschaft unter der Kutte?

Die Analyse und Interpretation des klassischen europäischen Imperialismus, dessen hektischste Phase ziemlich genau vor hundert Jahren einsetzte, hat etwa seit Beginn der sechziger Jahre erneut ein lebhaftes Interesse gefunden.

Sturz eines Stars

Vor fünf Jahren war Deutschland mit dem Wunderding weltweit Sptize, der Jubel groß..........................................

Banken: Lohnender Ärger

Endlich gibt es eine Möglichkeit, ohne Einsatz eigener Mittel mühelos und fast ohne Risiko Geld zu verdienen. Das Rezept: Man zeichne Aktien neu an die Börse drängender Gesellschaften und verkaufe sie bereits am ersten offiziellen Notierungstag.

Bonner Kulisse

Vor gut einem halben Jahr war es nur Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, ohnedies als sozialpolitischer Schlagetot verschrieen, der öffentlich zu sagen gewagt hat, die allen demokratischen Regeln hohnsprechende Streikpraxis der Industriegewerkschaft Druck und Papier sei "ein klarer Fall für ein Verbändegesetz oder ein Gewerkschaftsgesetz".

Aderlaß bei den Schwächsten

Österreichs Sozialminister Alfred Dallinger hat den Pensionisten des Landes eine rigide Abmagerungskur verordnet. Um in den kommenden Jahren die größten Löcher in der Sozialversicherung zu stopfen, war eine gründliche Rentenreform angesagt.

Ladenschluß: Unverfrorenheit

Heiner Geißler hat mit seinem Vorstoß zugunsten einer Reform des Ladenschluß-Gesetzes in der Bundesrepublik in ein Wespennest gestochen.

Druckindustrie: "Auch Streik ist Arbeit"

Freitag, 27. April. Streiktag für rund fünfhundert Hamburger Setzer und Drucker. Vor dem Eingang des Bauer-Verlages finden sich zu Schichtbeginn, morgens um sechs Uhr, die ersten Streikposten ein.

Nach langem Zögern bemüht sich die deutsche Industrie nun doch, sich in Japan von der besten Seite zu zeigen: Zwischen All und Alltag

Niemals zuvor ist die deutsche Industrie mit einer so großen Ausstellerzahl und einem so breiten, sorgsam ausgesuchten Angebot in einem anderen Industrieland versammelt gewesen wie hier in Tokio", begeisterte sich Bundeswirtschaftsminister Lambsdorff bei seiner Rede zur Eröffnung der Deutschen Leistungsschau am Ostermontag auf dem Harumi-Messegelände der japanischen Hauptstadt.

Energie: Ölsucher unter gutem Stern

Wenn in der italienischen Politik oder Wirtschaft niemand mehr weiter weiß, dann wird der stellone beschworen, der Glücksstern, Er sorgt dafür, daß ein Kompromiß zustande kommt, daß plötzlich irgendwer einen großen Kredit gibt, daß die Nation unerwartet an einem Unglück vorbeirutscht.

Export: Nichts für deutsche Diplomaten

Die Lage der deutschen Unternehmen in der philippinischen Hauptstadt Manila wird zunehmend ernster. Die Firmen, die sich in dem Inselreich in der Hoffnung niedergelassen haben, von hier aus die fernöstlichen Märkte zu erschließen, stehen bald vor dem Nichts.

Löwenbräu: Nur der Name bringt Gewinn

Das macht den Münchnern niemand nach: "Bereits zwei von drei Maß Bier werden im Ausland hergestellt", verkündete der Vorstandssprecher der Löwenbräu AG, Anton Schwarz, voller Stolz den Aktionären letzte Woche in der Hauptversammlung im Löwenbräu-Keller.

Der Staat muß lenken

ZEIT: Die industrielle Zukunft der Bundesrepublik ist ein Thema des CDU-Parteitags. In den Leitsätzen findet man große Worte wie "Ordnungspolitik muß im Vordergrund stehen", "neue wirtschaftliche und soziale Bedingungen stellen neue Anforderungen an die Anpassungs-Leistungsfähigkeit der sozialen Marktwirtschaft".

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