Die israelische Polizei hat gegen den rechtsextremen Untergrund zugeschlagen. Mindestens 15 Israelis wurden unter dem Verdacht festgenommen, Terroranschläge gegen Araber geplant und verübt zu haben.

Unter sieben Autobussen eines arabischen Busunternehmens in Ost-Jerusalem hatten Polizisten Bomben entdeckt und entschärft. Ein Blutbad konnte offensichtlich nur verhindert werden, weil die Polizei rechtzeitig informiert wurde. Unter den am selben Tag Verhafteten – so berichten israelische Zeitungen – befinden sich ein Sprengstoffexperte der israelischen Armee, mehrere höhere Reserveoffiziere und prominente Vertreter der jüdischen Siedler im Westjordanland. Der Haftrichter untersagte die Veröffentlichung im Namen der Festgenommenen.

Immer wieder bekannten sich inden letzten Jahren Untergrundgruppen unter dem Namen "Terror gegen Terror" (TNT in der hebräischen Abkürzung) zu meist dilettantischen Attentatsversuchen gegen Araber in den besetzten Gebieten und im Osten Jerusalems. Das geschah meist unmittelbar nach Anschlägen palästinensischer Gruppen gegen Israelis, im Zeichen religiösen Sektierertums (gegen christliche und islamische Einrichtungen) oder einer kruden politischen Rechnung: Der Terror soll die Araber aus dem Land ekeln oder aber erneuten Gegenterror provozieren und so die in den Augen der Ultras allzu lasche israelische Regierung zwingen, die Araber aus dem Westjordanland auszuweisen.

Im Sommer 1980 wurden im Westjordanland von Bomben verstümmelt; im Sommer 1983 wurden drei Angehörige der Islamischen Hochschule von Hebron getötet; seit Dezember 1983 kam es zu einer Reihe von "TNT"-Aktionen gegen christliche und islamische Einrichtungen in Jerusalem. Die israelischen Sicherheitsbehörden schienen jahrelang unfähig, diese Terrorakte aufzuklären. Polizeioffiziere und Oppositionspolitiker klagten über das angeblich geringe Interesse der Regierungen Begin und Schamir, den jüdischen Terror genauso hart zu bekämpfen wie die PLO-Gruppen.

Das änderte sich seit Anfang 1984. Regierungsmitglieder verurteilten die Bedrohung der staatlichen Ordnung durch die extremen Untergrundgruppen. Daß israelische Siedler im Westjordanland privat Waffen sammeln, zur Selbsthilfe gegen arabische Demonstranten reifen und sicher sein können, daß die Militärpolizei sie begünstigt, wurde zum innenpolitischen Streitpunkt; der mögliche außenpolitische Schaden durch Terroranschläge der Ultras mag die Regierung ebenfalls zum Handeln bewogen haben,

Kurz nacheinander wurden zwei "TNT"-Terrorgruppen identifiziert und verhaftet: junge Leute aus halbkriminellem Milieu, außerdem religiöse Sektierer, meist Einwanderer aus den Vereinigten Staaten. Der wirklich gefährliche Terrorismus aber – darüber bestand kein Zweifel – kommt aus einer anderen Richtung: Ultranationalisten, die in der israelischen Armee die nötigen Kenntnisse erworben hatten und in einigen Siedlungen auf der West Bank bgistischen Rückhalt fanden.

HJG