Dortmund

Früher einmal wurden Flüchtlinge aus dem Ostblock in der Bunndesrepublik als gern gesehene Einwanderer begrüßt. Das war die Zeit der heißen Konjunktur und des Kalten Krieges, als jede Arbeitskraft gebraucht wurde und jeder Flüchtling aus dem Osten einen willkommenen Beweis für die Unnvollkommenheit des kommunistischen Regimes darstellte. Auch heute noch sind Ostblockflüchtlinge gegenüber "gewöhnlichen" Asylanten aus der Dritten Welt privilegiert. Wer die Flucht oder die Ausreise von drüben schafft, darf auch hierbleiben, wenn er nicht als Asylant anerkannt wird. Doch das ist ein Privileg, das um so schneller seinen Wert verliert, je stärker der Flüchtlingsstrom aus dem Osten wird. Hier bleiben zu dürfen heißt nicht unbedingt, daß man hier auch leben kann.

Das erfährt zum Beispiel die 31jährige Polin Danuta-Maria L., die gegenwärtig in Dortmund lebt. Sie hat Magengeschwüre und ist abgemagert, ihr Mann müßte dringend zum Zahnarzt, und das Kind braucht eine Impfung – aber für den Arzt fehlt das Geld. Das Ehepaar ist nicht versichert, denn es hat keine Arbeit und bekommt keine Sozialhilfe.

Seit vier Monaten ist die Familie auf die kärgliche Hilfe von Verwandten und der Caritas angewiesen, und dies, obwohl Danuta L. sofort eine Stelle als Dolmetscherin antreten und den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie verdienen könnte.

Wie alle Asylsuchenden bekamen auch die L.s keine Arbeitserlaubnis. Als Ostblockflüchtlinge haben sie es aber besser als andere. Diese Sperre dauert für sie nur ein Jahr, für andere doppelt so lange. Danach finden jedoch die wenigsten Arbeit, denn die sogenannte Drei-Monats-Klausel zwingt Arbeitsamt und Arbeitgeber, drei Monate zu warten, ob sich nicht ein Deutscher oder ein Arbeitnehmer aus einem EG-Land findet. Dann erst wird die Arbeitserlaubnis erteilt.

Danuta L. und ihre Familie waren im Dezember 1982 in die Bundesrepublik gekommen und hatten einen Asylantrag gestellt. Ein Jahr lang dauerte die Entscheidung der Behörden. Dann kam die Ablehnung, wie bei den meisten Polen.

Während dieses Jahres durften sie nicht arbeiten, bekamen aber die Miete (450 Mark) und 500 Mark Sozialhilfe bezahlt. Das ist der beschränkte Satz für Asylbewerber. Nachdem der Asylantrag abgelehnt war, bekamen die L.s keinen Pfennig mehr, auch für die Miete nicht. Das war vor vier Monaten.