Der Preis hat seinen Preis. Geld hat seinen Preis. Grund und Boden haben ihren Preis. Welchen Preis hat Literatur? Haben Kunst, haben Werte, die nicht an der Börse notiert werden, in unserem Land überhaupt einen Preis, ja: einen Wert? Ein Blick auf die kurze, schon zu Ende gewürgte Geschichte des Deutschen Literaturfonds erfordert kritische Betrachtung.

Ein Dichter aus dem bäuerlichen Spanien des 16., des in Literaturgeschichten "golden" genannten Jahrhunderts, der wegen Zahlungunfähigkeit mehrmals im Gefängnis saß, hinterlaßt uns aus dem Mund einer seiner Gestalten als Vermächtnis auch diesen Satz: "Auf einem guten Boden kann man einen guten Bau aufführen, und der beste Boden und Baugrund auf Erden ist das Geld."

Lesen in Deutschland nur noch Landwirte und Baugrund-Spekulanten die Dramen, Erzählungen, den Roman "Don Quijote" von Miguel de Cervantes? In 35 Jahren Bundesrepublik haben jedenfalls sie es verstanden, mit "Grünen Plänen" oder "Wohnungsbauförderungsgesetzen" die philosophische Erkenntnis des Spaniers vom "guten Boden" für sich zu vergolden.

Die in Deutschland stets eher mit dem Blick in den Himmel und die Utopie als auf die Erde und die Wirklichkeit schreibenden Autoren sind in dem halben Jahrhundert zwischen Kaiserreich, Diktatur, Demokratie so schäbig behandelt worden wie in keinem zivilisierten Land der Welt, auch wenn sich jede Regierung mit den berühmteren Künstlern gern schmückt.

Sollten sich Künstler über das Ausbleiben von Goldregen nicht freuen, solange dies auch heißt: Ausbleiben von Zwangsverpflichtung zu (partei-) politischem Lobgesang? Oder sollten sich Schriftsteller – Staatsbürger wie andere auch – wehren in einer Gesellschaft, in der jede Gruppe die Hand aufhält nein: mit allen Händen in alle Steuertöpfe grapscht?

Wie bescheiden klingt heute Heinrich Bölls Forderung bei der Gründung eines ersten Deutschen Schriftstellerverbandes 1969, der Lorbeer gehöre in die Suppe, nicht aufs Haupt der Poeten. Was diktiert ein 26 Jahre jüngerer Kollege dem Interviewer des Münchner Buch-Magazins (März 1984) ins Mikrophon: "Ich finde, jede Förderung von Literatur ist eine Scheiße. Man sollte keine Förderungspreise geben, keine Literaturpreise. Die Leute sollen aufhören, wenn sie nicht mehr davon leben können. Ein Kafka hat auch keine Förderung bekommen, der ist jeden Tag ins Büro gegangen und hat nichts geschrieben und hat malocht. Die ganze Literatur wird gefördert."

Die Worte des ersten "Trägers" des "Leonceund-Lena-Preises" (1968, damals 1000 Mark), des Dichters Wolf Wondratschek, der 1969 auch den "Hörspielpreis der Kriegsblinden" nicht ausgeschlagen hat, werden die Zimmermanns aller Fraktionen in diesem Land aufmerksam registrieren. Schon schämt sich ein Rezensent der FAZ (17. 4. 1984) nicht, einen Roman von Gisela Eisner zusätzlich dadurch zu vernichten, daß er darauf hinweist, der "Deutsche Literaturfonds ... legt Wert auf die Feststellung, die Arbeit an Büchern wie diesem gefördert zu haben". Als ob die Juroren des Literaturfonds über abgeschlossene Werke urteilen könnten.