Visionen sind in der Politik nur so viel wert wie ihre Überzeugungs- und Begeisterungskraft. Ronald Reagan tut sich mit seiner Vision vom Krieg der Sterne – von Hunderten von Weltraumstationen, die mit Laserstrahlen feindliche Raketen schon im Anflug vernichten könnten – nicht nur wegen der wachsenden Zweifel der Fachleute und der Skepsis der Verbündeten schwer. Gerade hat eine Studie des Office for Technological Assessment des Kongresses festgestellt, die Erfolgsaussichten für das Abwehrsystem im All seien so gering, daß eine verantwortungsbewußte Politik sich darauf nicht stützen könne.

Aber nicht nur die Fachleute, auch die amerikanische Bevölkerung ist offenbar noch nicht überzeugt, der Reagan-Plan werde, wie sein Autor verkündete, "die Welt von der Drohung eines Atomkrieges befreien". Eine neue Umfrage zeigt, daß rund drei Fünftel der Amerikaner den Reagan-Plan ablehnen, nur zwei Fünftel dafür sind – und dies trotz der gewinnenden Art des Präsidenten, trotz der tief verwurzelten Technologie-Gläubigkeit Amerikas und trotz des verbreiteten Mißtrauens gegenüber den russischen Rivalen. Doch während sich bei den Männern Zustimmung und Ablehnung die Waage halten, ist bei den Frauen eindeutig, wo sie stehen: 67 Prozent sehen in der Weltraum-Verteidigung eine Gefahr, nur 25 Prozent stimmen ihr zu.

Vielleicht haben Frauen ja wirklich den besseren Riecher. Auf jeden Fall haben sie den Männern voraus, daß sie sich nicht so leicht von jener Romantik der Technik umgarnen lassen, die bei den Jungen mit Videospielen anfängt und – zip, zoom, crash – bei den Alten mit Laserstrahlen im All endet. cb