Reagans streitbare UN-Botschafterin Jeanne Kirkpatrick hat den Europäern unlängst vorgeworfen, sie seien unfähig, die moralische Überlegenheit der Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion zu erkennen, sondern schlügen grobschlächtig beide über einen Leisten. Da war er wieder, der Vorwurf der Äquidistanz. Aber müssen die Europäer von den Amerikanern nicht mehr Moral erwarten als von den Kremlführern? Sollen sie Amerika nicht nach seinen eigenen Idealen beurteilen, die ja zugleich unser aller Ideale sind? Dürfen sie, auch wo sie die gleichen Zwecke verfolgen, nicht stärker nach der Angemessenheit der Mittel fragen?

Im übrigen haben die Europäer manchen Grund, dem amerikanischen Urteil zu mißtrauen. Wäre es nach Henry Kissinger gegangen, so hätten sie nach 1974 Portugal als hoffnungslosen Fall abschreiben müssen. Doch anstatt vor der kommunistischen Gefahr zu kapitulieren, gingen sie daran, der jungen portugiesischen Demokratie Stützpfeiler und Streben einzuziehen; jetzt gerade ist sie zehn Jahre alt geworden. Mittelamerika ist ein schwierigeres Gelände, gewiß. Aber Diplomatie, politisches Einwirken und wirtschaftliche Kooperationsangebote versprechen auch dort mehr Erfolg als ein verdeckter Krieg, der sich ins Uferlose ausweiten könnte.