Von Cornelie Sonntag

Den Präsidenten einer Musikakademie stellt man sich als introvertierten Herrn vor, ein ergrautes Virtuosenhaupt, tief über musikhistorische Studien gebeugt, von Verwaltungsaufgaben eher geplagt denn animiert, ein stiller Pfleger des künstlerischen Nachwuchses. Hermann Rauhe, Chef der Hamburger Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, paßt nicht in dieses Bild.

Er ist einer, den es ständig umtreibt, der seine Pläne und Thesen gern und wortreich anderen mitteilt. Im Gespräch genügt es, ihn mit einer Frage anzutippen – und er sprudelt. Manche nennen den 53jährigen Professor mit den flinken Augen eine liebenswerte Betriebsnudel. Das stört ihn vermutlich nicht, bezeichnet er sich doch selbst als "dauernd übermotiviert – dauernd unter dem Druck, etwas zu bewegen, zu verändern". Und so absolviert er eine 80-Stunden-Arbeitswoche in seinem mahagonigetäfelten Büro in dem hundert Jahre alten Palais, das die Musikhochschule beherbergt, mit Blick auf Hamburgs Außenalster. Ein Trimm-Dich-Rad steht gleich neben dem Schreibtisch.

Einer, dem es ums Innovieren geht. Darum müht er sich, bis ins Detail. Kürzlich sorgte Rauhe für behutsame Auflockerung beim traditionsgeladenen "Matthiae-Mahl" im Festsaal des Hamburger Rathauses: Da hörten die speisenden Honoratioren neben der sonst üblichen Barock- und Rokoko-Musik plötzlich auch dezenten Jazz, gespielt vom Dozentenensemble der Musikhochschule.