Ost-Berlin möchte die Schleusen der Ausreise wieder schließen

Von Joachim Nawrocki

Berlin, im April

Entgegen wahrheitswidriger Behauptungen westlicher Medien wurde der DDR-Bürger Wolf Quaßdorf, von Beruf Baumaschinist, am 18. 4. 1984 durch das Stadtbezirksgericht Berlin-Pankow gemäß Paragraph 219 Absatz 2 Ziffer 1 StGB zu einer Mindeststrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Er hat als Bürger der DDR dem Ausland Nachrichten zukommen lassen, die durch ihren festgestellten Inhalt, ihre Aussage und die Art der Darstellung den Interessen der DDR Schaden zufügten."

Mit dieser unbeholfenen Formulierung nahm die DDR-Nachrichten-Agentur ADN zu Berichten Stellung, nach denen mehrere Bürger der DDR nach Besuchen in der Ständigen Vertretung Bonns in Ost-Berlin festgenommen und zum Teil auch schon verurteilt worden seien.

Konkret bekannt ist freilich nur der Fall des 30jährigen Wolf Quaßdorf. Der junge Mann, gelernter Autoschlosser, hat am Erfurter Predigtseminar Theologie studiert und war danach von der Ost-Berliner Galiläa-Gemeinde eingestellt worden. Er ist Vikar, strebte aber kein Pfarramt an, sondern setzte sich in der offenen Jugendarbeit im Bezirk Friedrichshain ein. "Offene Jugendarbeit" – das heißt Arbeit auch mit Jugendlichen, die keiner kirchlichen Gruppe angehören und die sich nicht unbedingt, zum Christentum bekennen. Quaßdorf engagierte sich auch in der unabhängigen Friedensbewegung, war Mitglied einer erfolgreichen Folklore-Gruppe, wurde aber als Berufemusiker nicht zugelassen.

Verstärkte Kontrollen