Von Peter Bender

Die Frauenvereinigung der CDU regt an, in Berlin eine ständige Ost-West-Umweltkonferenz einzurichten. Ein vorzüglicher Vorschlag; denn Dreck ist Dreck, ganz gleich, ob sozialistisch oder kapitalistisch produziert; er kennt keine Grenzen und muß gemeinsam beseitigt werden. Und das westliche Berlin braucht gerade Veranstaltungen dieser Art. Schon lange gibt es deshalb in allen Parteien Überlegungen, der Inselstadt wieder eine Funktion als Ost-West-Treffpunkt zu geben.

Doch die Berlin-Politik gleicht einem Minenfeld. Schon Helmut Kohls für Ende Juni vorgesehene Umweltkonferenz in München steckt in Schwierigkeiten: Ohne die Fachbehörde, das Umweltbundesamt, kann sie kaum stattfinden. Aber die Sowjetunion wird sich kaum mit Vertretern einer Bundesbehörde, die in Berlin ansässig ist, an einen Tisch setzen.

Auf eine Umweltkonferenz in Berlin warten andere Minen. Wer beruft sie ein? Wenn der Regierende Bürgermeister es tut, kann es erheblichen Widerstand geben wegen der "Bindungen" Berlins zum Bund, die angeblich gelockert würden. Wenn es ein Bundesminister tut, werden die Oststaaten nicht kommen, mit denen man gerade reden will.

Der politische Osten ist an einer Stärkung der Westberliner Lebensfähigkeit nichtinteressiert – eher schon am Gegenteil. Aber Interessen kann man schaffen. Auch der Autobahnbau und -ausbau zwischen der Insel und dem Bundesgebiet diente der moralischen Aufrüstung Westberlins, rückte es Westdeutschland näher. Die DDR machte mit, weil auch sie von dem Geschäft verkehrstechnisch und materiell profitierte. Was also ließe sich tun für eine ständige Umweltkonferenz im westlichen Berlin?

Beide deutsche Staaten blockieren sich derzeit gegenseitig in ihrer Berlinpolitik. Mit einiger Einschränkung läßt sich sagen: Die DDR sperrt sich gegen Westberlin ab "Ost-West-Drehscheibe", die Bundesrepublik sperrt sich gegen Ostberlin als Hauptstaat der DDR. Hätten Bonner Juristen nicht im letzten Jahr den Bundespräsidenten gehindert, zu den Luther-Feiern auch nach Ostberlin zu fahren (wie er gern wollte), wären die protestantischen Könige Skandinaviens in die DDR gekommen. Falls Honecker im September die Bundesrepublik besucht soll er Kohl nicht in Bonn treffen, weil sonst der Gegenbesuch des Kanzlers oder des Bundespräsidenten auch der Hauptstadt des anderen Staates gelten müßte, also Ostberlin.

Warum verzichten nicht beide deutsche Regierungen auf die letzte Prinzipienreiterei und führen die Kompromißpolitik vom Anfang der siebziger Jahre fort? Damals hieß das Geschäft: Anerkennung der DDR-Staatlichkeit gegen Anerkennung der Westberlin-Zugehörigkeit zum Westen, bedingt sogar zur Bundesrepublik. Heute wäre das Geschäft: Hinnahme Ostberlins als Hauptstadt der DDR gegen Duldung und Unterstützung Westberlins als Platz der Ost-West-Vermittlung, ähnlich wie Genf, Wien oder Helsinki. Beide Berlins würden frei in ihren Entfaltungsmöglichkeiten, und die Vorteile wären allgemeiner Natur. Die an Kooperation interessierte DDR hätte Nutzen, wenn sich die Berlinpolitik Bonns auf die Förderung der "Drehscheibe" an der Spree richtete; im Interesse der Bundesrepublik läge es, wenn das östliche Berlin sich weiter öffnete. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Je mehr die Welt in die DDR kommt, desto weltläufiger wird die DDR.