Bei den deutschen Botschaften finden Exporteure und Investoren wenig Rat und Hilfe

Die Lage der deutschen Unternehmen in der philippinischen Hauptstadt Manila wird zunehmend ernster. Die Firmen, die sich in dem Inselreich in der Hoffnung niedergelassen haben, von hier aus die fernöstlichen Märkte zu erschließen, stehen bald vor dem Nichts. Entlassungen und Kurzarbeit sind die Regel. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Lennartz nach einem Besuch in Manila: "Wenn hier nicht schnell und unkonventionell geholfen wird, dann sind die deutschen Positionen auf den Philippinen verloren."

Die deutsche Botschaft in Manila ist über die brisante Situation der Zweigniederlassungen deutscher Unternehmen zwar genauestens informiert, aber die Bundesregierung spielt toter Mann. Im Bonner Wirtschaftsministerium mochte man sich nicht einmal dazu aufraffen, die Deutschen fernab der Heimat zum Durchhalten zu ermuntern.

Begonnen hat die kritische Lage, als die Verschuldung der Philippinen in immer rascherem Tempo wuchs. Mitte Oktober 1983 mußte die angeschlagene Regierung des Diktators Marcos um internationalen Zahlungsaufschub bitten. Damit kam die Handelsfinanzierung praktisch zum Erliegen. Die philippinischen Einfuhren haben sich um die Hälfte und mehr reduziert. Der Grund: Die Zentralbank der Philippinen gibt nur noch etwa zehn Prozent des Devisenvolumens frei, das früher. zur Finanzierung der philippinischen Importe zur Verfügung stand. Und da die freigegebenen Devisen ausschließlich zur Finanzierung von vorrangigen Importen – wie Arznei- oder Düngemitteln – dienen, fehlt anderen weniger wichtigen Branchen der Nachschub: Rohstoffe und Zulieferungen aus den Stammhäusern in Deutschland bleiben aus, weil sie nicht bezahlt werden können. Die Produktion gerät ins Stocken. Zu allem Überfluß hat auch die staatliche Exportversicherung des Bundes, die Hermes-Kreditversicherung, "ihren Schutzschirm in dem Moment zurückgezogen, als es auf den Philippinen zu regnen anfing", wie der Abgeordnete Lennartz beklagt.

Andere Industrienationen können sich über solche Zurückhaltung der Bundesregierung nur freuen. Weil die USA und Japan ihre Exporteure so gut es geht subventionieren, beginnen sich die philippinischen Abnehmer noch stärker Richtung USA und Japan zu orientieren. Lennartz: "Es ist absehbar, daß die deutschen Unternehmen aufgrund der Wettbewerbsnachteile die über Jahre aufgebauten wirtschaftlichen Positionen wieder verlieren werden."

Die Zurückhaltung der deutschen Wirtschaftspolitik hat freilich Tradition und hat sich im übrigen auch oft bewährt. Gleichwohl gibt Klaus Lennartz, Mitglied des Finanzausschusses im Deutschen Bundestag, zu bedenken: "Wenn man erkennen muß, in welcher Art und Weise andere Regierungen ihre Firmen im Ausland unterstützen, sollte man sich unter diesem Gesichtspunkt überlegen, ob unsere vornehme Zurückhaltung auf diesem Gebiet zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch angebracht ist. Schließlich stehen auch Arbeitsplätze bei uns auf dem Spiel."

Zurückhaltung übt Bonn bisher aber nicht nur, wenn deutsche Unternehmen konkrete Exporthilfe – etwa in Form eines Warenkredits – fordern, sondern auch, wenn es darum geht, der deutschen Industrie mit Rat zur Seite zu stehen. Allein die Personalstärke im Forschungs- und Wirtschaftsbereich an den deutschen Botschaften in den fernöstlichen Ländern zeigt schon recht deutlich, daß sich der deutsche diplomatische Dienst kaum als Interessenvertreter der deutschen Wirtschaft verstanden wissen will.