In Manila kümmern sich um die wirtschaftlichen Interessen der Bundesrepublik ganze zwei Beamte; in der US-Botschaft sind es 16. Die Japaner haben sieben Mitarbeiter für Forschungs- und Wirtschaftsfragen eingesetzt. Selbst die Österreicher mit ihren aktiven Handelsdelegierten tun noch mehr als die Bundesdeutschen. Und Manila ist kein Einzelfall Die personelle Besetzung der deutschen Botschaften mit Wirtschafts- und Wissenschaftsexperten ist in den übrigen ASEAN-Ländern, die derzeit zu den wachstumsträchtigsten Märkten der Welt gehören, außerordentlich schwach, wie auch aus der Tabelle zu ersehen ist. Klaus Lennartz: "Für ein Exportland wie die Bundesrepublik kann das tödlich sein."

Auffallend ist jedenfalls, daß die Im- und Exportbilanz der Bundesrepublik mit den sechs Ländern (ASEAN und Hongkong) ein Spiegelbild der dürftigen personellen Besetzung an den deutschen Botschaften ist. Das deutsche Außenhandelsvolumen mit den Ländern – 1982 waren es 6,8 Milliarden Dollar – hinkt weit hinter dem der Japaner (43 Milliarden Dollar) und USA (30 Milliarden Dollar) her. Empfehlung des Abgeordneten Lennartz: "Vielleicht sollte man die Botschaftsjuristen mal gegen Ökonomen austauschen."

Für zwei wichtige deutsche Großaufträge dürfte selbst diese Umtauschaktion zu spät kommen. Der Bau einer Düngemittelfabrik im wert von fast zwei Milliarden Mark sowie der lukrative Ausbau des nationalen Telefonnetzes auf den Philippinen wird mit aller Wahrscheinlichkeit an den deutschen Bewerbern vorbei vergeben – wohl vor allem deshalb, weil die Regierungen in Tokio und Paris sich aktiv eingeschaltet haben. Für die Bundesregierung in Bonn kommt so etwas überhaupt nicht in Frage. Wolfgang Hoffmann