Der Chilkoot Trail in Kanada: Goldsuchern auf den Fersen

Von Bernd Müllender

Gerade war er ein bißchen zahmer geworden, der Wilde Westen. Aber die Abenteuerlust der Pioniergeister war noch ungebrochen, auch weil viele Menschen keine Aussicht auf Arbeit hatten. Da kam der hysterische Ruf aus dem fernen Norden: "There is gold in the Klondike!" Gold! Nuggets wie Männerfäuste. Ganze Flußläufe voll von glitzerndem Staub.

Die skurrilsten Geschichten sollen sich abgespielt haben, damals, im Winter 1897/98. Erzählt wird vom Friseur aus San Francisco, der den eingeseiften Kunden einfach sitzen ließ, um seine Siebensachen zu packen. Oder von denen, die Haus und Hof verscherbelten für die Schiffspassage nach Skagway/Alaska. Goldsucherearn, vielleicht. Fest steht, daß sich Zehntausend aufmachten, entschlossen, im Klondike Valley Reichtümer zu erbuddeln. So begann der letzte Goldrausch der Geschichte.

Viel zu spät ist es geworden, fast 20 Uhr, als wir am Chilkoot Trail ankommen. Der Ranger ist mürrisch. Zwei bis drei Stunden brauchten wir mindestens bis zum ersten Camp. Keine Sonnenbrillen? Keine besseren Isoliermatten? Nur ein Gaskocher für drei Leute? Vor 86 Jahren hätte er uns wohl "Greenhorns" genannt. Wir starten trotzdem in die 60 Kilometer Einsamkeit. Durch dichten Regenwald schlängelt sich der Pfad. Stetig geht es bergauf, über Steinlandschaften, die von dicken Moosteppichen überwuchert sind. Noch keine Stunde und wir haben den Weg verloren. Die lange Dämmerung nordischer Sommer setzt ein. Zurück? Wir vertrauen Karte und Kompaß. Dort die Felswand runter, da müßte der Trail wieder sein.

Endlich, es ist fast Mitternacht, erreichen wir Finnegans Point. Hier hatte der alte Pat Finnegan im Winter 97/98 eine kleine Hängebrücke besetzt und von jedem der goldwärts Eilenden Wegezoll verlangt. Sein Geschäft florierte, bis ihn die Meute überwältigte. Wir lassen uns von Müdigkeit überwältigen. Das Murmeln der Espen und Pappeln ist unser Wiegenlied.

Bärensichere Toilettenhäuschen