Nicht der Bierverkauf, sondern das Lizenzgeschäft bringt den Münchner Brauern Profit

Das macht den Münchnern niemand nach: „Bereits zwei von drei Maß Bier werden im Ausland hergestellt“, verkündete der Vorstandssprecher der Löwenbräu AG, Anton Schwarz, voller Stolz den Aktionären letzte Woche in der Hauptversammlung im Löwenbräu-Keller. Und schon wenige Tage später konnte das Unternehmen mit einer neuen Meldung diesen Trend ins Ausland bestätigen: Künftig wird Löwenbräu-Bier auch in Kanada in Lizenz gebraut werden.

Dank des in den sieben Jahren forcierten Lizenzgeschäftes ist Löwenbräu heute die „größte deutsche Biermarke“ – mit rund vier Millionen Hektoliter. Davon werden im Münchner Stammhaus aber nur gut 1,3 Millionen Hektoliter produziert – und auch davon gehen wieder 240 000 Hektoliter in den Export. Über 2,6 Millionen Hektoliter kommen schon von den Lizenzpartnern in den USA, in Griechenland, Großbritannien, Schweden, Panama, Hongkong, neuerdings auch Japan und künftig Kanada.

Das Lizenzgeschäft war in den siebziger Jahren aus großer Not heraus entstanden. Denn als damals der Dollar immer weniger wert wurde, brachte der früher so lukrative Direktexport nach den USA – in der Spitzenzeit waren es nahezu 250 000 Hektoliter – hohe Verluste.

Da auch der Inlandsabsatz von Löwenbräu seinerzeit keinen Profit abwarf, hielt sich das Unternehmen allein mit Grundstückserträgen über Wasser.

Der Kursverfall des Dollar zwang den Münchnern eine völlig neue Strategie auf: Sie mußten sich mit der expansiven Miller Brewing Company, einer Tochter des Zigarettenriesen Philip Morris zusammentun und vom Export auf Lizenzverkauf umschalten. Miller ist heute nach Anheuser-Busch zweitgrößte amerikanische Brauerei. Sie braut und verkauft in der sogenannten „Premium“-Klasse jährlich fast zwei Millionen Hektoliter Löwenbräu-Bier.

Doch das amerikanische Bier-Geschäft ist in letzter Zeit viel schwieriger geworden. „Auf allen gut entwickelten Biermärkten geht der Verbrauch in den letzten drei bis vier Jahren zurück“, bedauert Löwenbräu-Exportvorstand Johann Daniel Gerstein. Dazu kommt, daß gerade die von Löwenbräu angebotene Qualitätsstufe besonders gefährdet ist. Denn das Wachstum hat sich ganz nach oben und nach unten verlagert: Einerseits wird heute in den USA mehr Exportbier verkauft, als man laut Gerstein vor zehn Jahren für möglich gehalten hatte“, andererseits hat ein Run auf Billigbier eingesetzt, dem sich auch Miller nicht entziehen kann. Die Folge dieser Nachfrageverschiebungen: Der Absatz von Löwenbräu-Lizenzbier ist im letzten Jahr in den USA erstmals wieder leicht zurückgegangen.