Die Plazierung von 421 000 Porsche-Vorzugsaktien war in den Börsensälen während der vergangenen Tage der Hauptdiskussionsgegenstand. Auch jetzt, da das Rätselraten über die Zuteilung der begehrten Papiere beendet ist, halten die Auseinandersetzungen über die "gerechte Verteilung" der Mangelware Porsche an. Allerdings in einer gedämpfteren Lautstärke, seitdem sich der "außerbörslich" genannte Kurs der neuen Porsche-Aktien auf dem Rückzug befindet. Mit Spannung wird der erste "amtliche" Kurs erwartet, der am 4. Mai an den Börsen Frankfurt, München und Stuttgart festgestellt werden soll.

Je näher dieser Termin rückt, desto nervöser werden die "Glücklichen", die Porsche-Aktien zugeteilt erhalten haben. Da sie teilweise bis zum achtzigfachen der zur Verfügung stehenden Quoten überzeichnet worden sind, mußten selbst große Banken bei ihrer Verteilung das Los sprechen lassen. Wer drei Aktien in seinem Wertpapierdepot wieder fand, kann zufrieden sein. Glücklicher können sich allerdings die Kunden der im Porsche-Bankenkonsortium vertretenen Landesgirokasse Stuttgart schätzen. Ihr war es möglich, alle bei ihr eingegangenen Zeichnungen bis zu maximal zehn Aktien zu berücksichtigen.

Andere Banken hatten schon bei der Entgegennahme der Zeichnungsanträge Hürden eingebaut. Sie verlangten das Vorhandensein eines Guthabens in Höhe von einem Drittel der aufgegebenen Bestellung. Wer also die höchstzulässige Zahl von 100 Aktien ordern wollte, mußte bei einem Zeichnungspreis von 780 Mark je Stück nachweisen, daß sein Konto ein Guthaben von rund 24 000 Mark enthielt. Aber selbst wer so flüssig war, dürfte kaum mehr als drei Porsche-Aktien erhalten haben. Es sei denn, er zählt bei seiner Bank zu den bevorzugten Kunden. Dann wurde er aber zum strengen Stillschweigen verpflichtet.

Mit Beginn der Börseneinführung wird zunächst einmal mit einer Verkaufswelle gerechnet. Denn die Mehrzahl der frisch gebackenen Porsche-Aktionäre will es nicht bleiben, sondern ist lediglich an einer "raschen Mark" interessiert; sie werden ihre Aktien schnell wieder zu Geld machen.

Deshalb wird es sich schon bald zeigen, ob die außerbörslich genannten Porsche-Kurse nicht einer Art Massenhysterie entsprungen sind. Ähnlich wie wir es bei der Börseneinführung der VW-Aktien erlebt haben, deren Kurs ebenfalls vorübergehend auf über 1100 geklettert war. Das waren aber Prozentkurse, die sich auf 100-Mark-Stücke bezogen hatten.

Es klingt zwar schön, wenn der hohe Porsche-Kurs mit der Floskel begründet wird: "Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben." Doch auf die Dauer wird der Kurs nicht durch Gefühl oder Imponderabilien, sondern durch nüchterne Rechnungen bestimmt.

Der Ausgabepreis von 780 Mark orientiert sich an dem für das Geschäftsjahr 1983/84 (31. 7.) geschätzten Ergebnis je Aktie von 89 Mark. Daraus errechnet sich ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von rund 8,8. Vergleicht man es mit dem von Daimler, das sich auf etwa 8,4 stellt, muß der Porsche-Ausgabekurs von 780 Mark als gerecht gelten. Für einen so prominenten Börsenneuling mag allerdings ein Novitätenaufschlag gestattet sein.

Jedoch sollte nicht außer acht gelassen werden, daß über dem Porsche-Kurs ein Damoklesschwert hängt. Nach sechs Monaten kann die bisherige Eigentümerfamilie steuerunschädlich ein Vorzugsaktienkapital von 14 Millionen Mark auf den Markt werfen. K. W.