Wir kennen das Naserümpfen einiger "aufgeklärter" Kinderbuchkritiker über den "vermenschlichenden Kitsch" in Bilderbüchern. "Die Häschenschule" oder Beatrix Potter werden von den Puristen genauso kritisiert wie irgendeine drittklassige Sudelei. Was den humorlosen Eiferern offenbar entgeht: Koch-Gothas Illustrationen sind auch heute noch glänzende Satire, witzig-böse Verspottung bornierten Spießertums und Peter Rabbit ist keineswegs bloß viktorianische Idylle, sondern liebenswerte Kindfigur und gleichzeitig ein brillant und fachmännisch gezeichnetes Kaninchen, wie Sendak bewundernd urteilt.

Aber blindwütige Rigoristen scheinen Niveauunterschiede beharrlich ignorieren zu wollen.

Nun also haben die Kritiker anthropomorphistischer Darstellung einen ganz neuen, entzückenden Gegenstand fürs Ärgernis –

Ulf Nilsson (Text) und Eva Eriksson (Ill.):

"Kleine Schwester Kaninchen"; Verlag Oetinger, Hamburg; 32 S., 12,80 DM.

Es ist eine vertraute Geschichte: Geschwister-Bürde. Die Älteren, die geplagten, können ein Lied davon singen. Ein quäkendes, niedliches, aber lästiges Baby hängt sich erbarmungslos an die Rosckschöße des Älteren. Eltern nehmen den Großen moralisch in die Pflicht und reden ihn pädagogisch listenreich mit "mein großer, tüchtiger Junge" an.

Die Leiden eines Babysitters schildern die schwedischen Autoren humorvoll im Milieu des Kaninchen-Clans.