In London setzte er die Fehde mit einem Brief ("Mein lieber Donald") fort, den er gleich veröffentlichte. Nein, die Sache sei überhaupt nicht persönlich zu nehmen, denn er (Donald) sei ja sein Freund. Aber Lonrho trage schließlich die finanzielle Verantwortung für die Zeitung, habe nur eine Minderheitsvertretung im Board und im übrigen nie die Vereinbarungen gebrochen, die Lonrho beim Erwerb 1981 eingegangen sei. Durch diese Vereinbarungen sei er (Donald) in einer Position, wie sie kein anderer Chefredakteur in Fleet Street genieße. Er dürfe aber gleichwohl nicht mit der Zeitung verfahren, als sei er der "Eigentümer-Chefredakteur". Rowland greift dann Trelford wegen des Artikels direkt an.

Trelford fühlt sich in seiner journalistischen Ehre getroffen und sieht die redaktionelle Freiheit der Zeitung gefährdet. Die Redaktion stellt sich hinter ihn, und die fünf unabhängigen Direktoren, die als Wächter der redaktionellen Unabhängigkeit installiert sind, rügen das Verhalten des Eigentümers als "unzulässige Einmischung in die genaue Darbietung der Nachrichten und die freie Meinungsäußerung".

Im Observer wird kolportiert, daß Rowland schon seit einiger Zeit wegen der Linie des liberalen Sonntagsblattes verstimmt ist, das die Politik der konservativen Regierung Thatcher zunehmend kritisch kommentiert. Daß es jedoch über die Simbabwe-Geschichte zur Explosion kam, hat seinen besonderen Grund. Rowland, 1917 als Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter in Indien geboren, machte sein erstes großes Geld nach dem Krieg im damals britischen Rhodesien – seit vier Jahren das unabhängige Simbabwe.

Anfang der 60er Jahre stieß er zu Lonrho (London and Rhodesien Mining and Land Company). Weitgehend unter seiner Führung wurde daraus ein Mischkonzern mit einer verwirrenden Vielfalt von Interessen, einem Umsatz von 2,4 Milliarden Pfund und einem Gewinn vor Steuern von 113 Milliarden Pfund. Obwohl sich das Schwergewicht des Konzerns mit seinen 150 000 Beschäftigten allmählich nach Großbritannien und anderen Teilen der Welt verlagert hat, spielen die afrikanischen Länder und auch Simbabwe immer noch eine große Rolle.

Rowland hat sich ein sentimentales Verhältnis zu diesem Kontinent bewahrt, pflegt enge Beziehungen zu seinen Politikern und steuert seine geschäftlichen Interessen wie ein später Cecil Rhodes, der die mannigfachen Veränderungen geschickt in Rechnung stellt. In Rhodesien setzte Rowland auf Nkomo, entzog diesem aber über Nacht die finanzielle Unterstützung, als klar wurde, daß Mugabe als Sieger aus dem Machtkampf hervorgehen würde. Rowland arrangierte sich mit den Machthabern. Die Simbabwe-Geschichte in "seiner" Zeitung störte das Einvernehmen. Eine Distanzierung war zum Schutz der Lonrho-Interessen daher wohl verständlich.

Viele haben den Zusammenstoß schon vor drei Jahren kommen sehen, als Lonrho den fast zweihundert Jahre alten Observer vom Ölkonzern Atlantic Richfield kaufte. Der Erwerb war auf erheblichen Widerstand innerhalb und außerhalb des Observers gestoßen. Rowland bot deshalb Garantien für die redaktionelle Unabhängigkeit des Blattes an. Der zuständige Handelsminister überwies nach den Vorschriften des Wettbewerbsgesetzes die Sache an die Monopolkommission zur Prüfung.

Vor den Kommissaren bezweifelte der skeptische Trelford den Wert der Garantien und der Einschaltung der unabhängigen Direktoren mit Hinweis auf die ähnliche Konstruktion in der Times, wo der australische Verleger Rupert Murdoch schließlich doch der Zeitung seinen Willen aufzwang und den Chefredakteur Harry Evans feuerte. Wenn Lonrho dem Observer redaktionelle Unabhängigkeit gewähre, dann gebe der Konzern einer seiner Gesellschaften damit unbeschränkte Vollmacht, die Geschäftsinteressen von Lonrho in kritischen Teilen der Welt zu schädigen. Das mochte Trelford nicht so recht glauben.