Ratzeburg

Beruf: Erfinder. Mit Sicherheit hätte man im Einwohner-Meldeamt wenig Verständnis dafür, würde einer die Frage nach seinem Beruf so beantworten. Erfinder, so wird doch wohl vorausgesetzt, ist kein Beruf, sondern vielmehr ein Spleen. Und damit bestenfalls ein Fall fürs Fernsehen; denn spleenige Außenseiter verkaufen sich gut auf dem Bildschirm.

Alexander Kückens, 66 Jahre alt, geschieden, zwei Töchter, ist Erfinder. Einer der erfolgreichsten hierzulande. Er hat seine Erfindungen weltweit durch etwa 160 Patente geschützt. Und es kommen immer neue hinzu.

Er lebt am Ratzeburger See, und würde das Fernsehen mit seinen Kameras anrücken, um einen spleenigen Tüftler in der Hinterhof-Werkstatt zu erwischen, der Irrtum wäre fatal.

Der Mann ("Ich bin eigentlich ganz normal im Kopf) lebt auf einem Riesengrundstück von 60 000 Quadratmetern; sein privates Sportzentrum (mit Schwimmhalle, Sauna und Tischtennis-Anlagen) ist ein reetgedecktes Landhaus; in seinen Gewächshäusern erntet er Bananen, Ananas, Nektarinen und Feigen; der Weg zum Wohnhaus führt durch eine gepflegte Parkanlage.

Hier hätte das amerikanische Fernsehen drehen können, um den "Denver-Clan" stilgerecht ins Bild zu bringen. Mit anderen Worten: Alexander Kückens ist durch seine Erfindungen zu einem wohlhabenden Mann geworden.

Die Erfinder-Messen in Nürnberg oder Wien werden jährlich von Hunderttausenden besucht. Allein in der Bundesrepublik werden Jahr für Jahr rund 10 000 Patente angemeldet. Aber kaum einer macht mit seinem Patent wirklich das große Geld. Im Gegenteil, die Gebühren sind meistens höher als das, was nachher unter dem Strich dabei herauskommt, falls man eine Erfindung überhaupt an den Mann bringt. Denn selten wird der Neuigkeitswert einer Erfindung so hoch eingeschätzt, daß sich auch ein Unternehmer dafür interessiert.