Manchmal liege das Gold auf der Straße", sinnierte ein Freier Demokrat letzte Woche mit glücklich-zufriedenem Gesichtsausaruck, "man muß es nur aufheben." Daß die Liberalen so ohne Mühe fündig geworden sind, verdanken sie der beim Koalitionspartner reichlich verbreiteten Neigung, ungelegte Eier lauthals zu begackern.

Dabei ergibt sich dann beispielsweise die goldene Möglichkeit, dem Stuttgarter CDU-Ministerpräsidenten Späth, der für eine sozial ausgewogene Steuerreform plädiert, "klassenkämpferische Parolen" vorzuwerfen. Oder man kann der kecken Ankündigung des Parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Würzbach, die Personalnöte der Bundeswehr sollten durch Frauen in Uniform gemildert werden, ein donnerndes Halt entgegenschleudern.

Nicht etwa, daß die FDP diesen Vorschlag prinzipiell ablehnen würde. Wenn man das Veto der FDP genau liest, sind ihre Einwände formaler Art: Die Beratungen darüber seien noch nicht abgeschlossen, Stellungnahmen deshalb verfrüht. Aber was soll’s! Die FDP macht positive Schlagzeilen.

In der CDU weiß man nicht recht, über wen man sich mehr ärger soll – über die geschickte FDP oder über den eigenen Unglücksraben im Verteidigungsministerium: "Der lernt es nicht mehr."

Die Straße zwischen dem Abgeordneten-Hochhaus und dem Parlamentsgebäude soll, wie der schöne Fachausdruck lautet, "entwidmet" werden. Ins Deutsche übersetzt: Die Straße soll für Durchgangsverkehr gesperrt werden. Tatsächlich unterbricht diese Straße die "Rennstrecke" der Abgeordneten zwischen Parlament und Büro. Und es kann schon passieren, daß da Abgeordnete, durch Klingelzeichen zur namentlichen Abstimmung gerufen, den Verlust von 75 Mark vor Augen (die ihnen abgezogen werden, falls sie die Abstimmung versäumen) beim Überqueren der Straße in gefährliche Situationen geraten.

Ob es um ihre Sicherheit besser bestellt sein wird, wenn die Stadt Bonn dem Wunsch des Parlaments entspricht, ist etwas zweifelhaft. Auf beiden Seiten des Hochhauses befinden sich riesige Parkplätze. Immerhin: Künftig droht den Abgeordneten dann nur noch Gefahr von Bundesbediensteten und eigenen Mitarbeitern.

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