Heiner Geißler hat mit seinem Vorstoß zugunsten einer Reform des Ladenschluß-Gesetzes in der Bundesrepublik in ein Wespennest gestochen. Das war nicht anders zu erwarten. Die Diskussion über die Frage, ob es nicht jedem einzelnen Kaufmann selbst überlassen bleiben sollte, wann und wie lange er seinen Laden offen hält, ist längst zu einem Glaubenskrieg entartet. Entsprechend dümmlich bis unverschämt sind denn auch viele der Argumente, mit denen dieses unglückselige Gesetz von denen verteidigt wird, die davon profitieren. Das haben wir immer so gemacht, gehört dabei noch zu den intelligentesten Äußerungen.

Der SPD-Politikerin Annemarie Renger aber kann bescheinigt werden, daß es ihr gelungen ist, mit ganz wenigen Worten den Gipfel der Unverfrorenheit in der neu entbrannten Debatte zu erklimmen: Das Ladenschlußgesetz habe sich in 25 Jahren bewährt, schrieb sie im Pressedienst ihrer Partei.

Wer dies von einem Gesetz sagt, das allen Regeln der Marktwirtschaft Hohn spricht, alle positiven Erfahrungen im Ausland mit weniger bürokratischen Regelungen ignoriert und das eine grobe Mißachtung der Verbraucherinteressen darstellt, muß schon ein ziemlich dickes Fell besitzen. Warum sich Frau Renger hier so bereitwillig selbst vor den Karren der beiden Interessengruppen spannt – Arbeitgeber und Gewerkschaften des Einzelhandels sind in ihrer kundenfeindlichen Haltung bei der Verteidigung des Ladenschlußgesetzes ausnahmsweise einmal einig – bleibt ihr Geheimnis. mj