Hans Apels Rezept: Fragen, Schauen, Zuhören

Von Hans Jacob Ginsburg

Berlin, im April

Sie haben ihn gleich erkannt. "Herr Apel, wollen Sie ’ne Tasse Kaffee bei uns trinken?" Der Spitzenkandidat betritt den Laden, eine Bäckerei mit Kaffee-Ausschank. Der Pulk von Helfern und Journalisten drängt sich durch eine Glastür. Es ist im tiefsten Kreuzberg. Sanierungsgebiet, Armeleutegebiet, Türkengebiet, ehemals Hausbesetzergebiet (deren Häuser sind inzwischen fast alle mit Pachtverträgen legalisiert oder von der Polizei leergeräumt). Die Verkäuferin schüttet ihr Herz aus, klagt über die "abgeratzten Punks", die sie jeden Abend auf dem Heimweg belästigen, ohne daß ihr die Polizei oder irgendwer sonst hilft – seit Jahren schon.

"Da sind Sie aber tapfer", sagt der Kandidat und bedankt sich für den Kaffee. "Da mach ich ’nen Knicks." Den macht er auch, und keiner bezweifelt, daß die Dame den Kaffee auch dann spendiert hätte, wenn er nicht sowieso – Eröffnungsangebot – umsonst ausgeschenkt würde.

Hans Apel, vor einem Monat von Berlins Sozialdemokraten zum Bürgermeisterkandidaten gekürt, inhaliert Berlin, und er hat Spaß daran. Spaß jedenfalls machen ihm die Leute, die er trifft, die ihm zusehen, ihn ansprechen, auf die er zugeht: Der Arbeiter auf dem Baugelände der Bundesgartenschau, auch ein nach Berlin abgeordneter Hamburger ("Snackst du auch Platt, min Jung?"). Ein altes Ehepaar in der Kreuzberger Naunynstraße – die beiden haben "schon immer" SPD gewählt und freuen sich über den importierten Kandidaten. Der türkische Bauarbeiter, der die sieben langen Holzbretter auf einer Schulter balanciert, solange Apel ihm die Hand schüttelt. "Jetzt wirste berühmt", ruft dessen deutscher Kollege, als die Pressephotographen die Szene knipsen.

Kokettieren mit Wissenslücken