Dieter Kirchner, der Generalstabschef der Arbeitgeber erläutert seine Strategie

Von Heinz Michaels

Nach außen hin trägt er Zuversicht und Gelassenheit zur Schau. Doch dann wieder befallen Dieter Kirchner Zweifel und offenbaren die Spannung, unter der er in diesen Tagen lebt. Ob die Demoskopen wohl recht behalten mit ihrer Behauptung, daß dreiviertel der Arbeitnehmer, ja sogar die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder einen Streik für die 35-Stunden-Woche ablehnen? Ob bei der Urabstimmung nicht schließlich doch die Solidarität mit der Organisation obsiegt und die IG Metall die notwendigen 75 Prozent bekommt? Ob alle Mitgliedsfirmen fest Proben? Ob am Ende kommt, was eigentlich niemand will und jeder befürchtet: der Streik?

Dieter Kirchner, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, hofft und setzt darauf, daß die Urabstimmung für die Gewerkschaft schief geht. "Dann", so sagt er, "kann die IG Metall das Geschäft ihres Lebens machen." Denn noch nie haben die Arbeitgeber ein materiell so großes und verlockendes Gegenangebot gemacht wie jetzt, da es ihnen darum geht, die 40-Stunden-Woche zu verteidigen.

Jahrelang vorbereitet

Doch die Demoskopen haben schon einmal geirrt, 1973, als es in Baden-Württemberg um den "Lohnrahmen II" ging. Ein so kompliziertes und abstraktes Ziel, das unter dem Signum "Humanisierung der Arbeitswelt" lief, sei "nicht streikfähig", meinten sie. Hanns-Martin Schleyer, damals Sprecher der Arbeitgeber im Ländle, ließ es darauf ankommen. Die IG Metall gewann dann doch die Urabstimmung, es gab Streik, und die Gewerkschaft konnte die wichtigsten Teile ihrer Forderung durchsetzen.

"Damals", so resümiert Kirchner und richtet sich daran auf, "haben wir aber den Fehler gemacht, der Gewerkschaftsforderung kein eigenes Angebot entgegenzusetzen. Wir haben einfach nein gesagt. Das ist diesmal anders."