Benjamin Korn inszeniert Georg Büchner an den Kammerspielen

Von Helmut Schödel

Wie ein Keil schneiden zwei dunkelgrüne Wände einen Raum aus dem Himmel. Sie sind so finster und trist wie Kerkermauern. Hoch über ihnen sammelt sich erst dunkles, dann rotes Gewölk – expressionistische Welt aus Blut und Gefängnis. Erst wollten Benjamin Korn und sein Bühnenbildner Klaus Hellenstein Büchners "Woyzeck" in den Münchner Kammerspielen auf einer Brücke zeigen. Zwei Wochen vor der Premiere wurde der Plan verworfen. Aber auch die neue Bühne ist kein Ort für ein Milieustück, sondern wieder ein Gleichnis: Welttheater.

Zwischen den grünen Wänden, fast wie im Kerker, sitzt Marie (Eva Mattes), Franz Woyzecks Frau und seine Liebe. Der Fensterladen ist geschlossen, als es an der Tür klopft. "Bist du’s, Franz?", ruft Marie. "Komm herein!" Es klopft noch einmal. "Komm herein!" Marie geht zur Tür. öffnet. Unter dem Türrahmen steht einer. Woyzeck.

Später wird Marie sagen: "Der Mann! So vergeistert." Das hat Peter Fitz gruselig gespielt. Unter der Tür zitiert der Münchner Woyzeck nicht nur aus der Bibel ("...und sieh, da ging ein Rauch vom Land wie der Rauch vom Ofen ), er zitiert auch einen klassischen Horroreffekt. Woyzeck bleibt wild, finster und wie gebannt auf der Türschwelle stehen. Er spricht militärisch knapp, schneidend, fast zackig.

Ein gespenstischer Soldat steht also plötzlich in der Tür bei Marie, eine Mischung aus Nosferatu und Napoleon – Woyzeck. Sein weiter, brauner Uniformmantel erinnert in dieser Szene an Draculas Cape. Als es an Maries Tür klopfte, hat man einen armen Soldaten niederen Rangs erwartet, der nebenbei Gelegenheitsarbeiten verrichten muß, weil er kein Geld hat. Aber dann kam dieser wilde Reiter.

Die greise Nacht