Hacke-Bild

Über den Journalismus von heute sprach Bild-Redaktionsdirektor Günter Prinz vor britischen Werbefachleuten in Berlin: "Eine Flut von Informationen und optischen Reizen verdrängt Muße, Entspannung und hintergründige Wißbegier. Anstelle von Wißbegier erscheint flüchtige Neugier. Die Leute wollen schnell etwas wissen, aber sie wollen nicht mehr lernen. Dabei ist es nicht unsere Aufgabe, darüber zu klagen, daß die Zeit den Menschen zum Flüchtigen hin verändert. Unsere Pflicht ist es vielmehr, unser Angebot kritisch zu betrachten. Der Mensch von heute ist, wie er ist, und unsere Aufgabe ist es, ihn so, wie er ist, zum Leser zu machen." Bild zeigt, wie es geht. In der Ausgabe vom 26. April zum Beispiel so: "Das ist die Frau, die den Giftbecher trank – das Foto entstand wenige Stunden vor ihrem Tod. Prof. Dr. Julius Hackethal sitzt beruhigend neben ihr. Ganz Deutschland spricht über diesen Fall von Sterbehilfe. Prof. Hackethal hat die leidgeprüfte Frau zur Dokumentation filmen lassen. Was sie in diesem Film sagt, was die Landesärztekammer gegen Hackethal tun will, ob er angeklagt werden kann, auf Seite 17." Auf Seite 17 löst Bild das Versprechen ein wie Prof. Hackethal das seine. Überschrift: "Frau sagte: ,Danke‘ – und starb". Auch der Leser dankt – und liest weiter. Denn er ist, wie er ist, und Bild weiß es.

Phänomen Willy

Wilhelm Unger, Theaterkritiker des Kölner Stadtanzeigers schrieb in der Vierteljahrschrift für die Freunde der Stadt Köln über den Kölner Schauspieler Willy Millowitsch: "Vielleicht habe ich das Phänomen ‚Willy Millowitsch‘ erst begreifen gelernt, als ich die Chance bekam, ihn in seinem Lövenicher Heim zu beobachten, Wie Willy hier unter redseligen Gästen, ihnen geduldig zuhörend, schweigen konnte! Zwar kreiste sein Blick von Profil zu Profil, aber sein Schweigen bedeutete nicht, daß er nichts zu sagen hatte. Sammelt er etwa Eindrücke still in sich hinein, die einmal auf der Millowitsch-Bühne Bild oder Wort werden sollten? Ich gestehe gern, daß es dieser meditative Millowitsch ist, den ich ganz besonders in mein Herz geschlossen habe. Aber nur weil dieses Bild das Ganze des Phänomens kompensatorisch abzurunden vermag. Dazu kommt noch eins hinzu in der Vinzenz-Allee, was Willys Wesen am stärksten enthält: das Wirken und Walten seiner Frau. Man muß nicht Jungianer (der ich bin) sein, um in Frau Gerda Willys ‚anima oder die ‚Königin seines Herzens‘ zu sehen. Man denke: Die Philosophiestudentin Gerda verzichtete auf den akademischen Grad, auf den sie hinarbeitete, um diesen ‚Volksschauspieler‘ zu heiraten, Der banale Begriff der "besseren Hälfte‘ bekommt hier seinen tiefen psychologischen Sinn."