Mutige Friedensbewegung

Alleine Zynismus schien zu helfen. "Wer im Libanon eine Friedensbewegung ins Leben rufen will", so lautete bisher die Regel, "der braucht eine Miliz, um sie zu schützen." Eine hübsche 29 Jahre alte Kindergärtnerin versucht nun, das Gegenteil zu beweisen. Imam Khalife hatte genug vom unsinnigen Leiden und sinnlosen Sterben um sich herum in Beirut. Angst und Verzweiflung schrieb sie sich in einem kleinen Gedicht von der Seele. Erst kursierte es im Freundeskreis; dann druckten es fast alle Beiruter Tageszeitungen. Imam fand überall Zuspruch. Am 6. Mai will die für unmöglich gehaltene Friedensbewegung an der grünen Linie, die Moslems und Christen trennt, demonstrieren und, falls stark genug, die Barrieren niederreißen. Die Angst, allgegenwärtig nach neun Jahren Bürgerkrieg, wird groß sein: "Die Leute sagen: Wir werden sterben, wenn wir auf die Straße gehen", meint die Kindergärtnerin tapfer. "Ich sage, na bitte, wenn schon. Das kann uns doch jeden Tag passieren. Dann schon lieber etwas tun und nicht durch Zufall getötet werden."

Später Dank

Nach monatelangem Streit, wie der zehnte Jahrestag der portugiesischen Nelkenrevolution vom 25. April 1974 gefeiert werden sollte, hat es eine typisch portugiesische Lösung gegeben: Weil die Parteien sich nicht einigen konnten, machte sich, ein privater Kreis daran, die schließlich größte Demonstration zu organisieren. Und alle, die (heimlich) gerufen wurden, kamen: Die "April-Hauptleute", die den Putsch organisierten, die Politiker der ersten Stunde, ehemalige Ministerpräsidenten, damalige Freunde und heutige Feinde – und mehr Zuschauer als zu offiziellen Feier, die Stunden zuvor zu Ende gegangen war.

Silvia und die Sozialisten

Die Königin von Schweden hat sich mit den Sozialisten ihres Landes angelegt. Silvia, gewöhnlich ein Beispiel königlicher Zurückhaltung, wehrt sich gegen Pläne der sozialistischen Stadtverwaltung Stockholms, die Mittel für Privatkliniken und private Schwesternschulen zu kürzen. Mit Briefen an große Zeitungen, in denen sich die deutschblütige Monarchin gegen die Einsparungen wandte, hat sie sich den Zorn der Sozialisten zugezogen. Denen sind die Privatkliniken seit langem ein Dorn im Auge, weil sie weitaus beliebter sind als staatliche Krankenhäuser. Die königliche Familie habe kein Recht, sich in diese Angelegenheit einzumischen, donnerte jetzt ein führender Sozialdemokrat. Der schwedische Hof hat bisher auf diese Zurechtweisung nicht reagiert.

Sorgen-Tröster

Wer Sorgen hat, hat auch Likör – offenbar nach diesem Motto erlebt die Krisen-Stadt Dortmund einen Gaststätten-Boom: Im vergangenen Jahr wurden 856 neue Konzessionen beantragt. Viele deutsche Antragsteller sind Arbeitslose, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen wollen. Und die Finanzkraft ihrer künftigen Kundschaft schätzen sie wohl richtig ein: Vor allem billige Imbißstuben sollen entstehen. Ähnliche Zahlen gab es zuletzt, als es Dortmund gut ging, Anfang der sechziger Jahre.