Von Helmut Becker

Niemals zuvor ist die deutsche Industrie mit einer so großen Ausstellerzahl und einem so breiten, sorgsam ausgesuchten Angebot in einem anderen Industrieland versammelt gewesen wie hier in Tokio", begeisterte sich Bundeswirtschaftsminister Lambsdorff bei seiner Rede zur Eröffnung der Deutschen Leistungsschau am Ostermontag auf dem Harumi-Messegelände der japanischen Hauptstadt. Auch Japans Premier Yasuhiro Nakasone, neben Bundeskanzler Helmut Kohl Schirmherr des Ereignisses, zeigte Begeisterung: "Deutsche Spitzentechnologie in den Mittelpunkt der Leistungsschau zu stellen, halte ich für eine hervorragende Idee."

Noch besser war die Stimmung der Deutschen: "Die von Mißverständnissen und Störungen nicht freie jahrelange Vorbereitungszeit der Leistungsschau", an die der stets urlaubsbraune BDI-Vorsitzende Rolf Rodenstock noch am Gründonnerstag vor dem nationalen Presseclub Japans mahnen zu müssen glaubte, war vergessen.

Alle Zweifel am Sinn der 150 Millionen Mark teuren Schau bei Deutschlands Kunden Nr. 15, der 1983 gerade 1,3 Prozent aller deutschen Exporte abnahm, waren wie weggeblasen. "Wir haben uns angestrengt, damit dieses Angebot vor den kritischen Augen unserer japanischen Freunde bestehen kann", bescheinigte Lambsdorff den Hundertschaften deutscher Prominenz aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Es sollte an nichts fehlen, was die Weltgeltung der deutschen Industrie und Technik einst und heute begründet.

Die Palette der Exponate zeugte denn auch von deutscher Gründlichkeit, reichte sie doch von Aufregendem wie dem Spacelab über Triviales wie Personenwaagen bis zu Kuriositäten wie etwa Hornhautraspeln und Schnurrbartrasierern. Bei Großcomputern, Superchips und sonstigen Sensationen, die in den Augen der kritischen Gastgeber als die eigentlichen Insignien technologischer Vorherrschaft gelten, ließen sich die Deutschen entschuldigen. Die baut Japan schließlich selber.

Aber in der Organisation lassen sich die Deutschen von Nippon noch lange nichts vormachen. Das in Himmelblau angetretene Luftwaffenmusickorps I. unterhielt die japanischen Gäste vor der riesigen Schwarzweiß-Kulisse eines deutschen Kleinstadtmarktplatzes mit dem bayrischen Defiliermarsch und anderem deutschen Liedergut. Über diesem importierten Heimatbild spannte sich turmhoch ein weißes Zeltdach zu einer 7500 Quadratmeter großen Verbindungshalle zwischen den beiden sonst eher unansehnlichen Ausstellungsgebäuden des Harumi-Messegeländes: Eine Art Fußgängerzone mit Blumenbeeten.

In der Mitte der Haupthalle, von der mittelalterlichen Idylle des Marktplatzes aus gut sichtbar, kündete das in Bremen gebaute Spacelab von der himmelstürmenden Potenz moderner deutscher Technik. Ulf Merbold im Astronautenlook war zum Greifen nah. Von seinem Raumgefährt schaute er wie einst beim Flug durchs All hinab auf die Bundesrepublik. Sie präsentierte sich als Modell zu seinen Füßen – als Märklin-Land mit einem Riesenglobus darüber.