Der Wolfsburger Autokonzern will mit Dieselmotoren Häuser heizen

Wenn die nächste Heizperiode beginnt, wird vermutlich in einigen hundert deutschen Häusern ein Dieselmotor tuckern. Er ist das Herzstück einer vom Volkswagenwerk entwickelten Anlage, die auf den Namen "Thermodiesel" getauft wurde und nichts anderes ist als eine Wärmepumpe.

VW meidet zwar das Wort Wärmepumpe wie der Teufel das Weihwasser, kommt aber in einem Prospekt nicht umhin, die folgende Aussage zu machen: "Der VW-Thermodiesel stellt eine gelungene Kombination der dieselmotorischen Verbrennungskraftmaschine mit dem Kältekreislauf des bekannten Wärmepumpenprozesses dar."

Weniger steif formuliert heißt das: Zum Heizen eines Hauses werden einmal die Kühlwasser- und Abgaswärme des Dieselmotors genutzt, zum anderen treibt er einen Kompressor an und entzieht der Umgebungsluft Wärme – das Prinzip des "umgekehrten Kühlschranks". Und damit erreicht das Gerät, so verspricht es die Werbung, eine "Primärenergieeinsparung von etwa fünfzig Prozent gegenüber der herkömmlichen Kesseltechnologie".

Der Heizölvorrat reicht also doppelt so lange. Dazu verhilft freilich auch eine der herkömmlichen, von einem Elektromotor angetriebenen Wärmepumpen. Die allerdings nur unter erheblichem Einsatz elektrischer Energie. Überdies ist eine Kombination mit einer "normalen" Ölheizung nötig, weil die Elektro-Wärmepumpe bei Temperaturen von wenigen Graden über Null nicht mehr ausreicht. Da wird es dann billiger, die Ölheizungeinzuschalten.

Der Thermodiesel hat dagegen über die ganze Temperaturskala hinweg einen besseren Wirkungsgrad als die Ölheizung. Setzt diese rund achtzig Prozent der im Heizöl gespeicherten Energie in Wärme um, so bringt es der Thermodiesel bei plus 15 Grad auf nahezu 200 Prozent Energieausbeute und ist auch bei minus 15 Grad mit etwa 115 Prozent immer noch besser als der Ölkessel. Im Gegensatz zur Elektro-Wärmepumpe wird also keine zusätzliche Ölheizung benötigt.

Aber dafür kostet der Thermodiesel auch etwa so viel wie Elektro-Wärmepumpe und Ölkessel mit Brenner zusammen. Der empfohlene Preis, für den der Installateur den Diesel an den Endverbraucher verkaufen soll, liegt bei 18 700 Mark. Das sind – so gibt VW selbst an, – etwa 13 000 Mark mehr als ein herkömmlicher Ölkessel kostet; und ehe diese Mehrkosten in einem Haus mit bisher 5000 Liter jährlichem Ölverbrauch amortisiert sind, vergehen gut sechs Jahre. Dies gilt für einen Ölpreis von 75 Pfennig je Liter; wird das Öl teurer oder ist der Verbrauch höher, verkürzt sich die Armortisationszeit.