Von der Touristeninsel Phuket, im südlichen Thailand, wurde unlängst ein Ereignis berichtet, das zum miesen Alltag der Sex Industrie gerechnet werden kann, zugleich aber die Mechanismen beleuchtet, die das Milieu so profitabel machen.

Eines der vielen von Touristen und Einheimischen frequentierten Bordelle war in Brand geraten. Die Feuerwehr kam zu spät. Man darf vermuten, daß sie zu spät einsatzbereit war oder sich mit dem Eigentümer des brennenden Etablissements nicht über den Löschpreis hat verständigen können. Das Haus brannte nieder. Fünf junge Mädchen kamen in den Flammen ums Leben. Sie hatten im Bordell wie Gefangene in verriegelten Zimmern leben müssen, aus denen sie sich beim Brand nicht hatten befreien können. Der Vorfall erregte sogar Aufsehen in Bangkok.

Der Chef der thailändischen Polizei, General Narong Mahanond, befahl bald darauf "drastische Maßnahmen gegen die Betreiber von Freudenhäusern, gegen Zuhälter und andere Personen, die am Geschäft beteiligt sind", wie die Bangkok Post auf der ersten Seite berichtete.

Gegen die Order von General Narong protestierte mit großer Entschiedenheit eine Gruppe von dreißig Unternehmern, darunter die Touristenbehörde, der Präsident des südlichen Journalisten Verbandes, der lokale Chef der "Bank of Thailand", viele Restaurantbesitzer und Hoteliers sowie aach der von Phuket entsandte Parlamentsabgßoffiiete. Der Polizeichef, so äußerten die Kritikejtv gefährde das Geschäft. Die lokale Wirtschaft wÜMeschweren Schaden nehmen.

Schließlich reiste ein Parlamentsausschuß nach Phuket, der die Tatsache öffentlich machte, daß die lokale Polizei Kenntnis davon hatte, daß Frauen in den Bordellen wie Gefangene behandelt wurden. Damit war General Narong wieder, am Zuge. Nach bester Thai Manier entschloß er sich, drei Polizeioffiziere aus Phuket in andere Provinzen zu versetzen. Der Fall hatte damit seinen Abschluß gefunden. Das Geschäft wurde nicht länger gestört.

Prostitution, das macht diese Geschichte klar, ist ein Geschäft, von dem viele profitieren, am meisten wahrscheinlich die staatlichen Institutionen, die den Schutz gewähren. Denn in Thailand ist Prostitution ein strafbares Vergehen. Der strenge Feldmarschall Sarit Thanarat, der sich selber mehr als hundert Nebenfrauen gestattete, hat dem Land ein modernes Image verordnen wollen und nach Opium und der Polygamie 1960 auch die Prostitution unter Verbot gestellt. Eine jahrhundertelang tolerierte Institution wurde über Nacht kriminalisiert. Seither, so schrieb kürzlich die Thai Soziologin Sukany Hantrakul, leben die Prostituierten mit der Bedrohung, verhaftet zu werden, "verurteilt, wie Leprakranke ein Dasein im Zwielicht zu führen".

Der "Prohibition Act" hat die Prostitution natürlich nicht unterdrückt, sondern erst recht blühen lassen. Die Zahl der "Damen" hat sich seither dramatisch erhöht. Alle am Betrieb Beteiligten werden von der Polizei erpreßt und ausgebeutet. Nur ganz selten, wie jetzt in Phuket, werden Fälle von erzwungener Prostitution aufgedeckt "Die einfachen Beamten können auch gar nichts midien", hat ein Polizeigeneral einmal erklärt, "denn sie wissen, daß die Puffunternehiner gesellschaftlich mit der Polizeispitze verkehren und sich auch in der Öffentlichkeit photographieren lassen " Touristen und GIs kann man getrost übersehen, wenn man die Wurzel des Problems freilegen will. "Lange vor der Ankunft fremder Männer, der Chinesen im 19. Jahrhundert, der amerikanischen Soldaten nach dem koreanischen Krieg und jetzt der Touristen", so urteilt Sukany Hantrakul, "hatten die Thais das Laster als Teil ihrer Lebensform institutionalisiert. Die Fremden haben nur den Bedarf in einer bestehenden Situation vergrößert " Diese Feststellung macht deutlich, daß die Behandlung de? Themas in der westlichen Öffentlichkeit mit ideologischen, nachgerade flagellantischen Elementen durchsetzt ist. Eine vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit mitfinanzierte Studie "Tourismus, Prostitution, Entwicklung" (herausgegeben vom "Zentrum für Entwicklungsbezogene Endung"), die im vergangenen Jahr Aufsehen erregte, will glauben machen, "daß der Ursprung des gegenwärtig ausgedehnten Prostitutionsgewerbes in Asien auf Vorhandensein fremder Militärstützpunkte zurückzuführen ist. Vor 1955, so wissen die Autoren zu berichten, "florierte Prosööitiön nur in den Hafenstädten.