Streiktage sind Kauftage, behaupten die Börsianer und können dabei auf einschlägige Erfahrungen verweisen. Ob es diesmal wieder so werden wird, hängt natürlich von der Dauer eines möglichen Arbeitskampfes, aber vor allem von seinem Ausgang ab.

Eine längere, mit aller Härte geführte Tarifauseinandersetzung würde nicht nur alle Schätzungen über die für 1984 zu erwartenden Unternehmensgewinne über den Haufen werfen, sondern auch verhängnisvolle Spuren in der konjunkturellen Entwicklung sowie auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen.

Zwangsläufig muß dann geprüft werden, ob das Kursniveau deutscher Aktien auf der gegenwärtigen Höhe überhaupt gerechtfertigt ist. Doch noch überwiegt in den deutschen Börsensälen die Hoffnung, daß es rasch zu einem tragbaren Kompromiß in der Metallindustrie kommt.

Inländische institutionelle Anleger, auch die deutschen Aktienfonds, sind nach ihren gegenwärtigen Aussagen bereit, fallende Kurse zum Aufstocken ihrer Bestände zu nutzen. Sie halten auch die Kassandrarufe des amerikanischen "Zinsgurus" Henry Kaufmann für überzogen, der den Zinsen in den USA einen neuen Höhenflug voraussagt. Diesem Trend könnten sich die Zinsen in der Bundesrepublik nicht entziehen. Noch gilt es aber als unwahrscheinlich, daß die Bundesbank zur Verteidigung des rückläufigen Kurses der Mark an eine Heraufsetzung von Diskont und Lombard denkt.

Die allgemeine Situation an der Börse hat natürlich den Start der Porsche-Aktien überschattet. Schon am zweiten offiziellen Notierungstag waren sie deutlich unter 1000 Mark zurückgefallen. Wie zu erwarten war, haben sich große Teile der Erstzeichner sofort wieder von den ihnen zugeteilten Papieren getrennt; sie waren nur an einem raschen Kursgewinn interessiert. Diese Spekulation ist aufgegangen.

Wer die Käufer waren, die den Erstzeichnern die Porsche-Aktien so weit über dem Zeichnungspreis von 780 Mark abgenommen haben, liegt weitgehend im dunkeln. Aus dem Ausland sollen Kaufaufträge gekommen sein, und zwar von Leuten, die in der Porsche-Aktie ein "Liebhaber-Papier"sehen, das nicht mit normalen Maßstäben gemessen werden kann. Es hat aber auch sogenannte Eindeckungen solcher Spekulanten gegeben, die den Mut hatten, Porsche-Aktien vor der offiziellen Zuteilung zu Kursen von über 1100 Mark zu verkaufen, in der Hoffnung, sie später billiger über den Börsenhandel beschaffen zu können. Auch diese Rechnung ist aufgegangen.

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis sich der Kurs der Porsche-Vorzugsaktien normalisiert hat. Vermutlich werden in den nächsten Wochen noch Abgaben der Erstzeichner den Markt beeinflussen. Institutionelle Anleger halten sich von diesen Papieren fern, weil sie die gegenwärtigen Kurse noch für weit überzogen halten. So sieht die Union Investment GmbH zur Zeit bessere Chancen in den Papieren der Investitionsgüterindustrie, aber auch in ausgewählten Spezialwerten. Der Unifonds hat seine Bestände an konsumbezogenen Aktien – dazu werden die Auto- und natürlich auch die Warenhaus-Werte gerechnet – abgebaut. K. W.