Von Klaus von Dohnanyi

Über die Freie und Hansestadt Hamburg hat es in letzter Zeit eine Reihe besorgter, kritischer, zum Teil fast mitleidsvoller Veröffentlichungen gegeben. Auch in dieser Zeitung. Vermißt habe ich dabei vielfach kommunalpolitischen Sachverstand (z. B. den notwendigen Vergleich mit anderen Großstädten), mitunter aber auch schlicht eine sorgfältige Recherche.

Zunächst zu den Fakten. Hand aufs Herz – hätten Sie gedacht,

– daß das Bruttoinlandsprodukt in Hamburg 1983 pro Kopf (DM 92 000) höher war als in allen anderen Bundesländern? Zum Vergleich: Bundesdurchschnitt DM 66 000,-; Stadtstaaten-Durchschnitt DM 80 000,–.

– daß Hamburg pro Einwohner den höchsten Länderfinanzausgleich an andere Bundesländer zahlt, nämlich 1983 pro Kopf etwa DM 240,-(zum Vergleich Baden-Württemberg DM 155,–, Hessen DM 60,-)? Alle anderen Bundesländer zahlen entweder nichts oder bekommen Hamburger Geld, wie beispielsweise Bayern oder auch die Nachbarn Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

– daß Hamburg für die Nachbarländer rund 175 000 Arbeitsplatze (netto, nach Abzug der Auspendler!) zur Verfügung stellt? Das sind etwa soviele Arbeitsplätze, wie die Stadt Wuppertal insgesamt hat!

– daß Hamburg zwar mit 11 Prozent eine viel zu hohe Arbeitslosigkeit hat, aber eine niedrigere als alle anderen norddeutschen Großstädte?