Nur wenige Terroristen haben eingesehen, daß ihre blutige Spur im Nichts verläuft. Peter-Jürgen Boock gehört zu dieser Minderheit. Er hatte sich längst von der "Rote Armee Fraktion" (RAF) abgesetzt, als er 1981 verhaftet wurde. Sein Prozeß glich nicht jenen gespenstischen Verfahren, in denen die Angeklagten entweder schwiegen oder triste Kommandoerklärungen herunterbeteten, und die Verteidiger sich konsequent auf Obstruktion verlegten. Boock gestand vor Gericht seine Schuld ein; er weigerte sich allerdings, als Kronzeuge der Anklage aufzutreten. Falls er auf ein mildes Urteil gehofft hatte, haben ihn die Stammheimer Richter enttäuscht: Sie schickten ihn dreimal lebenslänglich plus 15 Jahre hinter Gitter.

Boock hatte gestanden, er habe den VW-Bus gestohlen, mit dem der Bankier Jürgen Ponto im Jahre 1977 entführt werden sollte. Er gab auch zu, einen anderen VW-Bus repariert zu haben, mit dem dann Hanns-Martin Schleyer entführt wurde. Es lag im Ermessen des Gerichts, ob es auf Beihilfe an Entführung und Ermordung von Ponto und Schleyer oder auf Mittäterschaft erkennen wollte. Die Richter haben jeweils das Maximum an Schuldzuweisung gewählt.

Nicht anders erging es Boock im dritten Punkt der Anklage. Er hatte den Raketenwerfer präpariert und installiert, mit dem die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe beschossen werden sollte. Die Anlage funktionierte nicht. Boock behauptet, er habe sich eines besseren besonnen und sie selber untauglich gemacht. Das Gericht glaubte ihm nicht. Dennoch sah es sich in diesem Punkt "zur Milde" veranlaßt und verhängte nur 15 Jahre Haft. Grund: Boock habe eine schwere Jugend gehabt; er sei überdies unter dem Einfluß linker Kreise gewesen.

Eine merkwürdige Begründung. Einerseits soll Boock ein unbelehrbarer Terrorist gewesen sein, verblendet, allen Skrupeln abhold und jetzt noch immer ohne Reue. Andererseits stellt ihn das Gericht als Verführten dar, als labilen Charakter kraft sozialer Umstände, der sich ungenannten Mächten als willfähriges Opfer anbietet. Beiden Varianten ist nur dies gemeinsam: In jedem Falle erschien Boock den Richtern unglaubwürdig.

Dazu mag der Verurteilte selber beigetragen haben. Er wirkte gelegentlich selbstgerecht und irritierend redselig. Aber ist ihm zu verdenken, daß er den Drang verspürte, sich zu rechtfertigen? Er wollte sich selber zum Exempel machen, seine Schuld bekennen und doch nicht zum Verräter seiner Ex-Freunde werden. Diesen feinen, aber gewichtigen Unterschied hat der Senat nicht akzeptiert. Für ihn gibt es nur die beiden Extreme: den Ex-Terroristen als Kronzeugen und den Terroristen, der niemals einsichtig wird. Die versprengten Kader der RAF denken, böse Ironie, nicht anders. G.S.