Zöllner und Grenzpolizisten zählen zweifellos zu den weniger beliebten Staatsdienern, selbst wenn sie in preußischer Ackuratesse ihres Amtes walten und gerade einmal nicht mit Streiks der europäischen Idee weiterhelfen. Die "Grenzer" – trotz unterschiedlicher Aufgaben ob ihres Jobs am Schlagbaum in einen Topf geworfen – stellen im Volksempfinden vornehmlich braven Urlaubsfahrern nach, die von der Adria ein Fläschchen roten Weines mehr nach Hause schleppen, als es das Gesetz erlaubt.

Jegliche Grenzbürokratie wird derartige Unterstellungen dementieren und mit Statistiken belegen, die den volkswirtschaftlichen Nutzen scharfer Kontrollen demonstrieren. Und natürlich ist jeder außer den Betroffenen dankbar, wenn die Kontrolleure Rauschgift-Halunken und Großganoven aus dem Verkehr ziehen. Aber dennoch: Es bleibt der Ruf vom Schnüffler im Familiengepäck.

Immer wieder, wenn die Reisesaison einsetzt, im Winter wie im Sommer, tun die Aufpasser an Europas Grenzen etwas für ihr ramponiertes Image. Sie widmen ihren gesetzestreuen Eifer dem Nationalitätskennzeichen. Dessen bedarf es nämlich laut Vorschrift jenseits heimischer Grenzpfähle, und wer hinten ohne fährt, macht sich straffällig und könnte, wenn ausländische Gendarmen es entdecken, mit Geldbußen belegt werden. Das will der gute Grenzer natürlich verhindern, er verweist auf das Einreiseverbot ohne Schildchen und den Laden gegenüber mit dem Schildchen. Daß diese Preziose unserer Kennzeichenkultur dort drei- bis fünfmal so teuer ist wie in anderen Läden, muß nicht auf eine Gewinnbeteiligung der kontrollfreudigen Staatsdiener hinweisen. Erstens dürfen die nichts nehmen und zweitens tun die nur ihre Pflicht.

Der kleinkarierte Einwurf, in einem Europa, das mit unübersehbarer Prachtentfaltung auf die versprochene Einheit zustrebt, seien solche Nationalitätskennzeichen doch eher ein bedauernswertes Duodezrelikt, ist falsch. Erstens gehört dieses Kennzeichen zum nationalen Besitzstand eines jeden Europäers (und den rührt Brüssel/Luxemburg/Straßburg natürlich nicht an) und zweitens ist das Nationalitätenkennzeichen ein Beitrag zur Völkerverständigung. Wie sonst sollte man wissen, daß der Nachbar auf dem Campingplatz ein Holländer und nicht ein Italiener ist.

So gesehen und gemessen an unseren sonstigen Obolussen für Europas Zukunft ist die obrigkeitsschuldige Transaktion am Grenzkiosk eine bescheidene Aufwendung. Ein paar Kilometer auf südländischen, gallischen oder eidgenössischen Autobahnen sind viel teurer. K. V.