Bonbon aus Den Haag:

In den Minuten des Wartens wird schnell bewußt, daß wir vor dem Garten einer großen Pflanzenliebhaberin und Sammlerin stehen. Als die Baronesse de Brienen im vergangenen Jahrhundert diesen japanischen Garten inmitten der weiten Parklandschaft Clingendael am Rande des niederländischen Regierungssitzes Den Haag bewußt, war ihr sicher nicht bewußt, wieviel Freude und wieviel Neugier sie bei den folgenden Generationen damit hervorrufen sollte.

Wenn die Azalea amore ihre Blüten zur Morgensonne hin öffnet, ist dieser geheimnisvolle Garten für einige Wochen im Mai zugänglich. Diese Anlage aus dem fernöstlichen Kaiserreich ist eine genaue Rekonstruktion eines Gartens aus der Muromachi-Periode (1580–1630), der versteckt in der 60 Hektar großen Parkanlage Clingendael liegt. Hier wachsen nicht nur Lotos, chinesischer Wacholder und japanische Kirschbäume, sondern auch 32 seltene Moossorten aus Nippon. Bevor man zum Garten gelangt, läuft man durch einen Wald von Rhododendronbüschen, in dem mehr als 200 verschiedene Arten blühen.

Der Besucher wandelt über schmale Pfade, die so angelegt sind, daß hinter jeder Wegbiegung immer wieder etwas Überraschendes zu sehen ist – ganz im Sinne des Zen-Buddhismus, der lehrt, daß man auch im täglichen Leben nicht alles gleichzeitig erkennt. Man geht vorbei an steinernen Lampen und gelangt zum "viereinhalb Matten großen" Teehaus, das auf Pfählen ruht.

Davor steht ein Tsukubai, ein Meditationsstein. Um die Atmosphäre des Gartens wirken zu lassen, werden jeweils nicht mehr ab 40 Personen gleichzeitig eingelassen. Er ist zwischen 6. Mai und 11. Juni täglich zwischen neun und 20 Uhr geöffnet.

Siggi Weidmann