Von Josette Cagli

Die spinnen, die Römer! Das ist dem Asterix-Leser nicht neu. Aber die Goten – haha! Die schreiben Doktorarbeiten darüber. Altphilologen debattieren diesseits des Rheins über die Abenteuer eines von unbeugsamen Galliern bewohnten Dorfes, Wissenschaftler ereifern sich: durch neueste Ausgrabungen sei nachgewiesen, daß die Gallier lieber Hausschweine als Wildschweine speisten. Ein Cäsar-Fanclub im Württembergischen empört sich: "Sie treiben direkt Schabernack mit einem Mann, der schon längst tot ist und sich daher nicht mehr wehren kann."

Beim Teutates! Ist das ein Spaß, was Obelix? Zum Glück nehmen es die Nachfahren der Gallier nicht so genau. "Ich zeichne, wie ich es mir so denke", sagt Albert Uderzo, Autor des vielleicht erfolgreichsten Comic strips seit Micky Mouse, "und dann kommen die Archäologen und behaupten allen Ernstes, sie hätten bei Ausgrabungen in der Nähe von Saint Malo das Dorf von Asterix wiedergefunden." Das amüsiert ihn.

Er lese all diese Doktorarbeiten, sagt Albert Uderzo voller Bewunderung – "aber ich muß zugeben, daß ich nicht alles verstehe". Mit 14 Jahren verließ der heute erfolgreiche Comic-Zeichner die Schule. Latein kann er nicht. "Die lateinischen Formeln, die wir den Römern in den Mund legen, haben wir im Konversationslexikon gefunden."

Wir – damit meint Albert Uderzo sich und seinen Freund und Co-Autor René Goscinny, der bis zum 24. Heft für Text und Regie der Asterix-Abenteuer verantwortlich war. Als Goscinny 1977 51 jährig an einem Herzinfarkt starb, wäre mit ihm fast auch Asterix gestorben. Ohne den Freund, mit dem zusammen er 1959 die Figur des kleinen aufmüpfigen Galliers ersonnen hatte, wollte Uderzo die Serie eigentlich nicht fortsetzen. Dann hat er doch weitergemacht.

Trotz seiner zeichnerischen Begabung kam für den 1927 geborenen Albert Uderzo ein Kunststudium nicht in Frage: "Wir waren nicht reich, wir mußten nach dem Schulabschluß sofort Geld verdienen." Er arbeitete als Zeichner und Illustrator für Kinderzeitschriften und die Zeitung France Dimanche. Zeitweise versuchte er sich auch als Trickfilmer. Flugzeugmechaniker wäre eigentlich sein Traumberuf gewesen. Einen Rest des Traumes realisierte er mit dem Zeichenstift in den Abenteuern von "Tanguy und Laverdure", den beiden furchtlosen Piloten.

1951 begegnete er in Paris René Goscinny, Texter und Zeichner bei einer kleinen Agentur. Goscinny hatte bei mad in New York seine ersten Comic-Erfahrungen gesammelt, unter anderem als Mitschöpfer der Cowboy-Parodie "Lucky Luke". Mit ihm gründete Uderzo die Jugendzeitschrift Pilote. Gleich in der ersten Ausgabe stellten sie Asterix vor. Uderzo erinnert sich, daß Goscinny damals einen typischen französischen Helden schaffen wollte. "In den fünfziger Jahren war der Markt mit amerikanischen Figuren wie Superman, Mandrake und Tarzan überschwemmt. Wir wollten etwas Neues bringen. Für uns Franzosen sind die Gallier so etwas wie die Cowboys für die Amerikaner. Jedes Schulkind kennt den Satz: ’Unsere Vorfahren, die Gallier...’ und weiß, daß Vercingetorix bei Alesia von Cäsar geschlagen wurde. Wir haben einfach die Geschichte ein bißchen manipuliert."