München: "System-Design: Bahnbrecher Hans Gugelot 1920 - 1965"

Ein Käufer setzt heute als selbstverständlich voraus, daß Anbaumöbel aus standardisierten, praktikablen Elementen bestehen, daß er die Teile einer Stereoanlage nach Art eines Baukastens variieren kann, daß eine Maschine leicht zu bedienen ist und ein Rasierapparat gut in der Hand liegt. Das war allerdings nicht immer so, und wenn es inzwischen anders ist, dann nicht zuletzt aufgrund der Entwürfe von Hans Gugelot, für den der Begriff industrielle Formgebung keine modische Leerformel war. Gugelot, von Max Bill 1954 als Design-Lehrer an die Ulmer Hochschule für Gestaltung berufen, war entschlossen, dem "Design", das die Produzenten seiner Meinung nach nur als absatzförderndes Element betrachteten, die Anführungszeichen abzuschminken: "Die Aufgabe des Designers soll darin bestehen, gute Verbrauchsgüter zu gestalten, die sich produzieren lassen, statt gute Produktionsgüter zu entwerfen, die verbraucht werden müssen." Mitte der fünfziger Jahre, als wir wieder wer waren und die Konsumgüter für den sogenannten gehobenen Bedarf das auch zeigten, gehörte schon Courage dazu (auf Seiten des Herstellers, nicht des Entwerfers), dem hausbackenen Styling des beginnenden Plastik-Zeitalters durchdachtes Design entgegenzusetzen. Die Firma Braun hat es gewagt und Gugelot mit dem Entwurf von Radio-, Phono- und Fernsehgeräten beauftragt. Die Präsentation des neuen Programms auf der Düsseldorfer Rundfunkausstellung (1955) war ein sensationeller Erfolg, noch sensationeller fast der Umstand, daß diese funktional (ein Ausdruck Gugelots) denunzierenden Geräte Jahr auch verkaufen ließen. Die im darauffolgenden Jahr entstandene Kombination von Radio und Plattenspieler, hausintern "Schneewittchen" genannt (weil die Plexiglashaube an deren gläsernen Sarg erinnerte), ist längst ein Klassiker, dem man in den Museen begegnet. Angebot kamen die Entwürfe zu früh, gab es für für Angebot keine genügend große Nachfrage (so etwa für das ab 1950 entwickelte Möbel-Baukastensystem ‚ml25‘, das sich erst nach einiger Zeit durchsetzte), oder war eine Konzeption ihrer Zeit zu weit voraus, wie der gemeinsam mit Herbert Lindinger erarbeitete Prototyp einer Hifi-Anlage (1957/1959). Das hat Gugelot vermutlich wenig gestört, er wollte keine Wegwerflösungen, sondern genau durchdachte Programme‚ die nicht veralten. In Amsterdam fahren seit kurzem U-Bahnzüge, die fast aufs Haar denen in Hamburg gleichen, die Gugelot um 1960 entworfen Design Offensichtlich erschien den Niederländern das Design nach zwei Jahrzehnten noch immer unübertroffen zu sein. (Neue Sammlung bis zum 3. Juni; Katalog 26 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Edgar Degas – Pastelle – Ölskizzen und Zeichnungen" (Nationalgalerie bis 20.5., Katalog 39 Mark)

Berlin: "Rudolf Schlichter-Retrospektive" (Kunsthalle bis 16.5., Katalog 29,80 Mark)

Bonn: "Bernard Schultze – Papierarbeiten 1946 bis 1983" (Rheinisches Landesmuseum bis 20.5., Katalog 25 Mark)

Düsseldorf: "Der westdeutsche Impuls: 1900–1914; Düsseldorf, eine Großstadt auf dem Weg in die Moderne" (Kunstmuseum bis 20.5., Katalog 25 Mark)