Bis zu drei Lämpel: lohnt das Lesen; umgekehrter Lämpel: lohnt nicht.

"Erinnerungen für morgen" von Martin Wagenschein: Es gibt heute viele Leute, die überzeugt sind, Erziehung, Schulunterricht "früher" (sagen wir vor 1970) sei hierzulande nur schwarzer oder brauner Terror gewesen, oft im Gewand einer verlorenen Idylle. Dabei gab es durchaus einmal eine deutsche pädagogische Kultur. Martin Wagenscheins Biographie ist Zeugnis eines Lebens, in dem das Unwahrscheinliche gelang: Die Fasziniertheit durch die Kenntnis der exakten Wissenschaften riß sich nicht los von der Sympathie für Kinder und Anfänger. Der ehemalige Lehrer an der reformpädagogisch inspirierten Odenwaldschule Paul Geheebs, 1896 geboren, legt damit ein pädagogisches Zeugnis ab, das nicht zu widerlegen ist. Mehr als ein Programm für morgen. (Beltz Verlag, Weinheim 1983, 168 S., 19,80 Mark.) H. R.

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"Heimliches Hauptfach Rechtschreiben" von Gerhard Sennlaub u. a. Unsere Rechtschreibung ist ein Kreuz. Aber ist damit die Öde monotoner Abschreib-Übungen vorprogrammiert, das angeblich "kreative" Durchwursteln auf dem Rücken schwacher Schüler die einzige Alternative? Sennlaub, Lemmer, Ullrich sind engagierte Lehrer/innen, die gemeinsam über ihren (unterschiedlichen) Rechtschreibunterricht nachdenken. Sympathisch: Sie missionieren nicht für einfache Lösungen, verschweigen Kontroversen und persönliche Unsicherheiten nicht. Endlich mal keine großen Sprüche, sondern durchdachte Grundsätze, handfeste Vorschläge und die spürbare Freude an der Arbeit mit Kindern. Ein pädagogisches Betthupferl, um mit Freude auf den nächsten Schultag einzuschlafen. (Agentur Dieck, Heinsberg 1984, 200 S., 20 Mark.) H. B.

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"Kinder, Computer und Neues Lernen" von Seymour Papert. In den frühen sechziger Jahren arbeitete er mit Jean Piaget zusammen, dann ging der Autor zurück an das Massachusetts Institute of Technology, erstellte ein erfolgreiches Programm zum kindgerechten Umgang mit Computern und lehrte zugleich Mathematik-Didaktik. Seine Anmerkungen zum herkömmlichen Unterricht sind deshalb nicht bloß Polemik oder Provokation: "Die Sorte Mathematik, die den Kindern in der Schule angedreht wird, ist weder sinnvoll noch macht sie Spaß, noch ist sie besonders nützlich." Seymour Paperts aufgezeichnete Erfahrungen werden inzwischen auch hierzulande geschätzt, sein Bielefelder Kollege Michael Otte schrieb ihm ins Vorwort das Kompliment: das beste mathematikdidaktische, oder allgemeiner, das beste wissenschaftsdidaktische Buch, das ich kenne ..." Anregende und teils amüsant verfaßte Software. (Birkhäuser Verlag, Basel/Stuttgart 1982; 276 S., 29,80 Mark.) Hor.

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