Die Möbelfirma De Sede wurde von einem eidgenössischen Baustoffkonzern aufgekauft

Interessenten gab es genügend, als im vergangenen Herbst der Schweizer Nobelhersteller für Lederpolstermöbel, De Sede, zum Verkauf stand. Insbesondere deutsche Möbelfabrikanten bitten. sich gerne den mit Millionen Werbeaufwand hochgepuschten Namen De Sede einverleibt.

Schließlich zählte einmal zu De Sedes Kunden fast alles, was Rang und Namen hat: In den massigen und sündhaft teuren Schweizer Lederpolstergruppen räkelten sich Jet-set, der europäische Hochadel sowie eine ganze Sternchenschar aus der Film- und Musikszene. Die Liste reichte von Saudi-Scheich Jamani über Belgiens König Baudouin bis zu Ringo Starr und Audrey Hepburn.

Doch die Zeiten, da De-Sede-Eigentümer Ernst Lüthy nach Alchemistenart Leder in Gold verwandeln konnte, sind vorbei. Seit Ende der siebziger Jahre ging es mit der Nobel-Sattlerei im nordschweizerischen Klingnau immer rascher bergab. Die Kundschaft wurde spärlicher. Die Rezession mahnte auch gutbetuchte Unternehmen und Private zur Sparsamkeit, denn eine Polstergruppe aus zentimeterdickem Rindsnacken-Leder, die bei De Sede rund 25 000 Mark kostet, wurde auch ihnen zu kostspielig. Zum anderen brachte De Sede kaum neue Modelle auf den Markt und wurde zudem noch von italienischen, skandinavischen und deutschen Möbelfabrikanten kopiert – billiger und origineller.

Nach außen mimte Lüthy ungebrochene Zuversicht. "Wenn wir die Preise steigern, verkaufen sich unsere Polstergruppen fast noch besser", verkündete er und schwärmte von nahezu hundert Millionen Franken (125 Millionen Mark) Umsatz. Doch über den Rekord von 75 Millionen Schweizer Franken kam er nicht hinaus.

Der gelernte Sattlermeister hatte sich – wie so mancher erfolgreiche Mittelständler – nicht auf die modernen Zeiten umgestellt. Er führte sein Unternehmen nach den patriarchalischen Grundsätzen des neunzehnten Jahrhunderts. Techniker und Designer behandelte er wie Konkurrenten, nicht wie Mitarbeiter; Marketingfachleute waren ihm suspekt

Fast ein Dutzend Angestellte aus dem mittleren und oberen Kader vergraulte er in den letzten fünf Jahren. Der Erfolg machte den Schweizer Möbel-Dauer eigenwillig. Zuerst ging sein Teilhaber, dann dessen Nachfolger, der mit dem wohlklingenden Titel eines Generaldirektors ausgestattet wurde, nicht aber mit den nötigen Kompetenzen. Für jede Entscheidung benötigte er Lüthys Einwilligung. Und nicht nur dessen: Auch die Töchter und Sohn Peter gebärdeten sich als Jungchefs. Als der De-Sede-Generaldirektor auf klar definierten Kompetenzen bestand, degradierte Lüthy ihn kurzerhand zum Exportleiter. Er kündigte.