Wenn der südafrikanische Premierminister Botha im Juni die Bundesrepublik besucht, dann wird er sich gegen die unausweichlichen Demonstrationen auch damit wehren, daß sein Land mit den schwarzen Nachbarn im Süden Afrikas eine neue Basis der Zusammenarbeit gefunden habe. In der Tat hat das weiße Apartneidregime inzwischen mit einer Reihe schwarzer Volksrepubliken Sicherheits- und Nichtangriffsabkommen ausgehandelt.

Die schwarzen Staaten stimmen derartigen Vereinbarungen zu, weil ihnen das Wasser bis zum Halse steht. Ihre Souveränität ist, nicht zuletzt durch südafrikanische Einmischung, schon längst mehr Anspruch als Wirklichkeit. Das bestätigt die jüngste Absprache zwischen Südafrika und Mocambique. Danach werden südafrikanische Streitkräfte künftig die 1000 Kilometer lange Hochspannungsleitung schützen, die vom Staudamm Cabora Bassa über mocambiquisches Territorium Strom nach Südafrika führt. Die Notwendigkeit für diesen Schutz hatte Pretoria allerdings erst geschaffen; die MNR-Guerilla, von Südafrika versorgt und bezahlt, hatte die Leitungen immer wieder unterbrochen.

Das erinnert fatal an jene beliebte Methode der Unterwelt, unter dem Deckmantel der Legalität Erpressung zu betreiben. Da werden erst ein paar Scheiben eines Geschäftes eingeworfen, dann wird dem verängstigten Besitzer gegen gutes Geld Schutz zugesagt – von denselben Gangstern. Mit diesen Mafia-Tricks kann Südafrika allenfalls einer gutgläubigen Welt vorgaukeln, zwischen Schwarz und Weiß herrsche nun Entspannung. Unter den Nachbarn der weißen Republik wird diese neue Demütigung den Haß nur weiter schüren. cb