Deutsche und Schweizer Spitzenmanager wollen sich nicht gängeln lassen

Wenn ein erfolgreicher Manager mitten in einer expansiven Phase seines Unternehmens aus freien Stücken seinen Job aufgibt, muß es dafür gewichtige Gründe geben. Obwohl die Computerfirma Amdahl Deutschland GmbH in München 1983 ihren Umsatz von 58 auf 112 Millionen Mark fast verdoppelt hat, will Bernhard P. Sauer dort nicht länger Geschäftsführer sein. In der vergangenen Woche hat er die amerikanische Muttergesellschaft Amdahl Corporation in Sunnyvale gebeten, seinen noch bis September 1984 laufenden Vertrag zum 1. Juli dieses Jahres vorzeitig aufzulösen. Versuche von drüben, ihn noch umzustimmen, können ihn von diesem Entschluß nicht mehr abbringen.

Damit wirft der frühere IBM-Manager nach nur achtzehn Monaten bei Amdahl das Handtuch. Sein Vorgänger Dieter Knoppke hatte die deutsche Tochtergesellschaft gerade zwei Jahre geleitet. Hals über Kopf mußte jetzt mit Christoph von Blanckenhagen, 40, bisher Vertriebschef Süd, ein Nachfolger bestellt werden.

Selbst in der für ihren Managerverschleiß berüchtigten Computer-Branche ist ein so hektischer Wechsel ungewöhnlich. Immerhin gehört zu Amdahls Kunden die Crème der deutschen Industrie mit dem Schwergewicht Autobranche, große Versicherungen und Forschungsinstitute. Soviel Unruhe an der Spitze schadet dem Image und droht Amdahl im harten Wettbewerb zu schwächen. Dabei muß sich Amdahl mit seinen Großrechnern zum Stückpreis zwischen fünf und zehn Millionen Mark immerhin gegen so gewichtige Konkurrenten wie IBM und Siemens behaupten.

Sauer verläßt das Unternehmen wohl aus ähnlichen Gründen wie sein Vorgänger Knoppke. Beide wollten sich nicht mit der Art von Führung abfinden, unter der auch andere Statthalter amerikanischer Unternehmen in Europa leiden.

Die Amerikaner neigen nämlich dazu, ihre Tochtergesellschaften auf dem europäischen Kontinent an eine Zentrale in Großbritannien "anzubinden" und nur über diese mit ihnen zu verkehren. Der Grund: Die Engländer sprechen ihre Sprache. Es ist bequemer, Weisungen über sie weiterzugeben und über sie Berichte zu empfangen.

Seit Herbst 1981 untersteht auch die bis dahin an langer Leine geführte deutsche Amdahl-Gesellschaft einem für die gesamten europäischen Aktivitäten zuständigen Managing Director in London. Peter V. Williams war einer der ersten, die für Amdahl in Europa arbeiteten und genießt in Sunnyvale großes Ansehen. Dennoch ist er absolut nicht nach dem Geschmack selbstbewußter, bei IBM trainierter Manager wie Knoppke und Sauer.