Von Helmut Becker

Am letzten Sonntag, Schlag 17 Uhr, veranstalteten die Aussteller auf der Deutschen Leistungsschau in Tokio ein Konzert besonderer Art: In ein infernalisches Hupkonzert der deutschen Autoindustrie mischten sich das Klappern von Werkzeugmaschinen, die letzten Schreie der ausgestellten Kuckucksuhren und der Knall von Sektkorken.

Aber auch so mancher Seufzer der Erleichterung war zu hören, als die Gala-Schau deutscher Tüchtigkeit in Japan nach zwei Wochen Dauer endete. "Wir hatten 862 514 Besucher", freute sich Friedhelm Sartoris vom Ausstellungs- und Messeausschuß der deutschen Wirtschaft (AUMA). "Das übertrifft alle Erwartungen."

Ob die Mammutpräsentation deutscher Spitzentechnologie auch die Erwartungen der gastgebenden Japaner erfüllt hat, läßt sich aus der Zahl der Besucher freilich nicht ablesen. An Geschäftsabschlüssen ebenfalls nicht. Die stehen bei derartigen Präsentationen ohnehin nicht im Mittelpunkt, sondern sind nur willkommene Beigabe.

Dabeisein war alles. Um den Kampf um Sieg und Plätze auf dem Weltmarkt ging es in Tokio vorerst nicht. Doch wenn ganze Hundertschaften deutscher Prominenz aus Wirtschaft und Politik nach Tokio fliegen, kann das Verhandeln gar nicht ausbleiben. So wurden denn auch immer wieder konkrete Geschäftsabschlüsse und noch häufiger der gute Vorsatz gemeldet, in Zukunft ins Geschäft zu kommen. Doch ob sich die 150-Millionen-Mark-Schau für die Bundesrepublik wirklich gelohnt hat, wird sich erst in einigen Monaten oder gar in einigen Jahren wirklich zeigen.

Zu Euphorie besteht vorerst kein Anlaß. Das Bild von der in Japan schon sprichwörtlichen "Deutschen Krankheit" läßt sich nicht von heute auf morgen korrigieren. Schließlich haben deutsche Politiker und Manager jahrelang ausgerechnet gegenüber dem schärfsten Weltmarktkonkurrenten ihr Selbstmitleid besonders gern zum Ausdruck gebracht und immer wieder im In- und Ausland auf die Gefährlichkeit oder gar Überlegenheit der fernöstlichen Konkurrenten hingewiesen – kostenlose Image-Werbung für Nippon.

Die kunterbunte Mischung aus gekonnter Messetechnik, deutschem Forscherdrang und harmlosen Klischees vom romantischen Deutschland hat zwar Eindruck gemacht, doch davon allein kann der Export nicht jahrelang zehren. Die Leistungsschau symbolisiert bestenfalls das Ende deutscher "Japanik", wie es Arno Bock, der Vorsitzende des Außenhandelsausschusses im Verein deutscher Maschinenbauanstalten (VDMA), formulierte. Sie ist aber allein noch nicht die Wende zu einer "technologischen und wirtschaftlichen Offensive", zu der Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff aufrief.